Was passiert mit den Sofiensälen? Ein Hotelinvestor überlegt noch, der Eigentümer hat die Entscheidung auf Ende März 2010 vertagt. Damit steht dem ehemaligen Vergnügungstempel ein weiterer Winter bevor.
WIEN.Einst war es ein russisches Dampfbad: Am 14.Jänner 1838 eröffnete der Tuchscherer Franz Morawetz in der Marxergasse im Bezirk Landstraße eine Badeanstalt. Er nannte sie nach der Mutter Kaiser Franz Josephs: Sophienbad. Das Bad wurde von den späteren Architekten der Staatsoper umgebaut – und ging als ein Wiener Tanz- und Vergnügungsetablissement in die Geschichte ein.
Heute vergnügen sich in den Sofiensälen höchstens Mäuse und Ratten. Büsche und Bäume sprießen aus allen Ecken, wachsen aus den Mauern, bilden grüne Kontraste zum bröckelnden Putz. Seit dem Brand vor acht Jahren steht das Gebäude leer. Und verfällt. Und es wird noch einen weiteren Winter lang verfallen.
Denn die Entscheidung über die Zukunft der Sofiensäle ist ein weiteres Mal verschoben worden. Eigentlich hätte bereits heuer im September feststehen sollen, was mit dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude passieren soll. Noch im August hatte es so ausgesehen, als sei die jahrelang gehandelte Idee eines Hotels passé. Doch nun hat der Eigentümer, der stadtnahe Baukonzern Arwag, an der die gemeindeeigene Wien-Holding knapp 29 Prozent hält, doch wieder einen möglichen Investor für ein Hotelprojekt an der Hand.
Deadline 31.März 2010
Doch der will, nicht zuletzt angesichts der Wirtschaftskrise, noch Bedenkzeit. Die hat ihm die Arwag eingeräumt: Bis 31.März 2010 muss er sich entscheiden. „Das sollte dann endgültig sein“, so Arwag-Sprecher Stefan Hawla zur „Presse“.
Und betont, dass dadurch gar keine Zeit verloren gehe.
Denn währenddessen werden Vorarbeiten durchgeführt, die später ein Abrutschen des Geländes bei Baggerarbeiten verhindern sollen. Diese Arbeiten seien in jedem Fall notwendig und sollen bis Februar dauern.
Entscheidet sich der Investor dann doch gegen das geplante „Drei- oder Viersternhotel“, käme das Wohnungsprojekt zum Zug, so Hawla. Letzteres habe bereits eine Baugenehmigung. Und auch wenn es zum Hotel kommen sollte, rechnet Hawla nur mit wenig Verzögerung.
Dass es mittlerweile viel zu viele Verzögerungen gibt, kritisiert indes die ÖVP. Weil die Sofiensäle nun einen weiteren Winter überstehen müssen, fordert die ÖVP Landstraße „einen Schutz beziehungsweise eine Abdeckung, die ihren Namen auch verdient.“
Gärtner prüft regelmäßig...
Seit Jahren würden die Säle nicht vor Wind und Wetter geschützt, sagt Andreas Keri, Klubobmann der ÖVP Landstraße. „Man gewinnt den Eindruck, dass man die Sofiensäle verfallen lassen möchte, um bei der weiteren Bebauung freie Hand zu haben.“
Arwag-Sprecher Hawla beschwichtig: Das Gebäude sei ja ohnedies eingehaust. Und es gebe einen Gärtner, der in regelmäßigen Intervallen prüfe, ob Pflanzen das Mauerwerk zerstören könnten. „Diese maximal vier oder fünf Monate sollte nichts passieren“, sagt Hawla.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2009)