Vorsichtige Entwarnung bei den Autodiebstählen: Seit der zweiten Jahreshälfte 2009 " bewegt sich die Kurve wieder runter", so der Direktor des Bundeskriminalamts. Die Zahl der Autodiebstähle war zuletzt stark gestiegen.
WIEN (APA/red.).Vorsichtige Entwarnung der Polizei bei den Autodiebstählen: Seit der zweiten Jahreshälfte 2009 „bewegt sich die Kurve wieder runter“, sagt Franz Lang, Direktor des Bundeskriminalamts (BK).
Ziel der Sonderkommission Ost (Soko Ost) und der Kfz-Sonderermittlungsgruppe im Burgenland war, hinsichtlich der Anzeigen zumindest wieder unter das Niveau des Vorjahres zu kommen. Lang: „Und dort bewegen wir uns derzeit.“ Nach mehreren Jahren, in denen die Zahlen der Kfz-Diebstähle zurückgegangen sind, bewegen sie sich seit 2008 wieder in die Höhe. Negative Spitze war der März 2009, in dem in Österreich 499Pkw und Kombis gestohlen wurden – allein 307 in Wien.
Gleichzeitig beobachtet die Exekutive eine Entwicklung, die auch schon aus Deutschland bekannt ist: Kriminelle wählen nun stärker auch niedrigpreisige Fahrzeuge oder nicht mehr ganz neuwertige Autos. Mögliche Erklärungen dafür sind, dass neue Autos besser gesichert sind, die Kontrolldichte der Polizei hauptsächlich bei neuen Fahrzeugen erhöht wurde, aber auch, dass der Ersatzteilbedarf für ältere Kfz gestiegen ist.
Die Täter stammen hauptsächlich aus Russland, der Ukraine, Georgien, Moldawien, Rumänien und den Westbalkanstaaten Serbien, Montenegro, Albanien und Mazedonien. Danach erst kommen Länder wie Polen, Ungarn, Tschechien oder die Slowakei.
Wie in Deutschland verzeichnet die Polizei auch in Österreich eine Zunahme beim Diebstahl von Airbags. Der Trend ist seit etwa drei Monaten feststellbar. Bevorzugte Marken der Täter sind in diesem Bereich VW und Toyota. Aber auch Navigationsgeräte stehen ganz oben auf der Diebstahlsliste. Beim Kfz-Einbruch, bei dem es um Beschaffung von Ersatzteilen geht, zeigte sich zuletzt, dass 60 Prozent der Täter aus der Slowakei operieren.
Eine beliebte Vorgangsweise bei neuwertigen Fahrzeugen ist derzeit der Einbruch in Kfz-Zulassungsbüros, wo sich Täter Dokumente beschaffen. Auch das Eindringen in Geschäftslokalitäten, um an Schlüssel und Papiere zu gelangen, und anschließend mit den Fahrzeugen wegzufahren, kommt verstärkt vor. Phänomene wie „Jacking“ (Entwenden von Fahrzeugen oder Schlüsseln unter Anwendung körperlicher Gewalt), die vor allem in den Niederlanden und in geringerem Ausmaß auch in Deutschland ein Thema sind, gibt es in Österreich hingegen kaum.
Generell gilt: Kfz-Diebe sind sehr gut über polizeiliche Schwerpunkt informiert und können ihre Taktiken binnen Tagen ändern – wenn nötig, auch binnen Stunden. Sie verlegen ihre Transportroute, verladen gestohlene Fahrzeuge oder zerlegen sie in ihre Einzelteile.
Die Täter sind zwar bestens vernetzt, doch den klassischen Organisationsgrad der organisierten Kriminalität gibt es nach den Angaben des Chefs des Bundeskriminalamts bei Kfz-Diebstahl kaum. Man habe es bei Fahrzeugdieben eher mit einer Reihe isoliert handelnder Tätergruppen zu tun.
Rennen Polizei – Kriminelle
Seit dem Jahr 2000 habe man die Kontakte mit den Nachbarländern intensiv aufgebaut, das zeige nun Wirkung. Etwa 40 Prozent der gestohlenen Kfz können gefunden werden, so Lang.
Optimistisch stimme ihn auch die intensivere Kooperation mit Fahrzeugherstellern. Lang: „Die Challenge zwischen technischer Sicherheit aufseiten der Fahrzeughersteller und dem technischen Know-how der Tätergruppen ist immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2009)