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Der Autopilot schläft nie

Piloten wollen wegen Übermüdung weniger arbeiten, vor allem in der Nacht. Die schwerste Krise der Luftfahrt dürften sie verschlafen haben.

Überbezahlte Buschauffeure, deren Arbeit weitgehend der Autopilot erledigt: Als die AUA-Piloten vor fünf Jahren gleich mit mehreren Streiks gegen neue Dienstverträge rebellierten, wurden sie vom damaligen AUA-Boss Vagn Sørensen ätzend abqualifiziert. Er hat damals weit übers Ziel geschossen. Der Beruf des „Flugzeugführers“ gehört mit dem „Arzt“ sicher zu den verantwortungsvollsten Jobs. Beide erfordern nicht nur Wissen, sondern auch Verlässlichkeit – schließlich geht es um Menschenleben.

Jetzt schießen die Herren im Cockpit – der Prozentsatz der Pilotinnen ist minimal – weit übers Ziel. Denn das EU-Gesetz, um das jahrelang gekämpft wurde, galt 2006 als Errungenschaft – es brachte sogar Verbesserungen. Jetzt – drei Jahre später – ist das Gesetz ganz schlecht und ein Produkt der Airline-Lobby – weil es die Sicherheit bedroht.

Das klingt populär – ist aber blanker Populismus: Die Piloten schlagen Alarm wegen drohender Übermüdung – verschlafen haben sie tatsächlich eines: die größte Luftfahrtkrise seit Jahrzehnten, die viele ihrer Arbeitgeber an den Rand des Bankrotts treibt. Angesichts des Kampfes um niedrigere Kosten und höhere Produktivität erscheint die Forderung nach einem „Nachtflugverbot“ total realitätsfremd. Die unregelmäßigen Arbeitszeiten von Piloten sind bekannt – dafür gibt es auch weit über dem Schnitt liegende Gehälter. Wer weder nachts noch am Wochenende arbeiten will, darf nicht Pilot – aber auch nicht Arzt, Lokführer oder Polizist – werden. (Bericht: S. 16)


hedwig.schneid@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2009)