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Schon die Pharaonen betrieben Anti-Aging-Medizin

Bienenkönigin
(c) AP (RICH PEDRONCELLI)
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Gelee Royal war bereits im alten Ägypten als "Jungbrunnen" beliebt.

Glühwein gegen Grippe? Die alten Ägypter empfahlen es, einige Landärzte tun es heute noch. „Das ist vom medizinischen Standpunkt nicht ganz von der Hand zu weisen“, betont Univ.-Prof. Dr. Markus Metka, Präsident der Österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft, der seinen Kollegen auf der medizinisch-kulturellen Fortbildungsreise „Anti-Aging-Medizin auf den Spuren der Pharaonen“ (17. bis 24. Oktober; Restplätze vorhanden) spannende Einblicke in die (Anti-Aging-)Medizin der alten Ägypter gewähren wird.

 

Gesunder Glühwein

Zurück zum Glühwein: Der kann einen grippalen Infekt laut Metka auf mehrfache Weise mildern. „Da ist zunächst der Wein, der in geringen Maßen genossen durchaus als Heilmittel bezeichnet werden darf. Die Ägypter hatten eine hoch entwickelte Rotweinkultur. Sie haben empirisch erkannt, was wir heute wissenschaftlich nachweisen können: Die Weininhaltsstoffe Resveratrol und Querzetin haben lebensverlängernde Wirkung. Erst vor Kurzem haben das US-amerikanische Wissenschaftler erneut bestätigt.“ Die Glühweinzutaten liefern ebenfalls Benefits. Zimt ist entzündungshemmend, die Gewürznelke wirkt gegen Viren und Bakterien, auch Sternanis hat antivirale Effekte. „Auch Tamiflu wird schließlich aus Sternanis gewonnen“, so Metka. Eines der frühesten Rezepte der ägyptischen Anti-Aging-Medizin ist mindestens 3000 Jahre alt und eine praktische Anleitung mit der Überschrift „Wie kann ich einen alten Mann in einen jungen verwandeln?“ Der Verfasser empfiehlt eine ölige Salbe, hergestellt aus dem Samen des Bockshornklees. „Falls diese Mischung tatsächlich gewirkt hat, dann dank der im Klee enthaltenen Isoflavone. Sie genießen in der modernen Anti-Aging-Medizin wieder hohes Ansehen.“

 

Ramses der Große wurde 96

Ebenso Gelee Royal, der Futtersaft der Bienenköniginnen. Im alten Ägypten, so Metka, konsumierte die Oberschicht diese biologische Substanz regelmäßig. Man hatte es von den Bienen abgeschaut: Die Königinnen waren wesentlich größer und wurden zehnmal so alt wie die anderen Bienen, die kein Gelee Royal futterten. „Heute weiß man, dass alle Bienen genetisch gleich auf die Welt kommen und dass erst die Nahrung den Unterschied ausmacht.“ Heute gilt Gelee Royal als das Anti-Aging-Mittel.

Anti-Aging bedeutete schon vor 5000 Jahren Prophylaxe. „Die hatte bei den Ägyptern einen unheimlich hohen Stellenwert.“ Nicht zufällig erreichten die meisten Mitglieder des ägyptischen Hochadels locker ihr siebentes Lebensjahrzehnt, einige Pharaonen wurden gar mehr als 90 Jahre alt. Ramses der Große etwa, der 120 Kinder hatte, tat alles nur Erdenkliche, um gesund möglichst alt zu werden. Er starb mit 96.

Freilich hat man auch damals schon übertrieben. Es ist zumindest von einem Pharao überliefert, dass er an der sogenannten Orthorexia nervosa (eine Essstörung, bei der die Betroffenen ein auffallend ausgeprägtes Verlangen danach haben, sich möglichst „gesund“ zu ernähren) gestorben ist. Weil dieser Pharao nicht ausreichend gesunde Nahrung gefunden hat, ist er letztlich schlichtweg verhungert.

 

Lebens- statt Krankenhäuser

Und selbst Hippokrates, der Urvater der abendländischen Medizin, dürfte sich laut Metka einen Großteil seines Wissens aus Ägypten geholt haben, wo er in der Jugend viele Jahre verbrachte. „Die Wurzeln der abendländischen Medizin sind sicher in Ägypten zu finden“, meint Metka und verweist abschließend auf eine weitere interessante Tatsache. „Im alten Ägypten hießen die Krankenhäuser Lebenshäuser. Das zeigt schon die ganz andere Einstellung unserer Urvorfahren zu diesem Thema.“

www.mondial-medica.at/wissenschaft-auf-reisen-09

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2009)