Schnellauswahl

Prozess: Das monatelange Martyrium von Höxter

Der Mordprozess um das "Horror-Haus" von Höxter: Links und rechts das angeklagte Ex-Ehepaar.
Der Mordprozess um das "Horror-Haus" von Höxter: Links und rechts das angeklagte Ex-Ehepaar.(c) APA/dpa/Bernd Thissen (Bernd Thissen)
  • Drucken

Die Angeklagte schilderte vor Gericht emotionslos die Misshandlungen auf dem Gefhöft im westfälischen Ort Höxter. Die Opfer wurden per Kontaktanzeige gefunden.

Im Mordprozess um das "Horror-Haus" von Höxter in Nordrhein-Westfalen hat die angeklagte Angelika W. die Leidenszeit einer der getöteten Frauen mit grausamen Details geschildert. Im Beisein der Mutter des Opfers, die im Prozess als Nebenklägerin auftritt, sprach die Angeklagte am vierten Verhandlungstag am Dienstag vor dem Landgericht Paderborn über das monatelange Martyrium der Frau.

Demnach wurde diese eine Zeit lang nachts mit Handschellen und einer Kette an ein Heizungsrohr gebunden. Sie sollte nicht auf die Toilette gehen können, um ihren Ehemann und heutigen Angeklagten Wilfried W. nicht im Schlaf zu stören, wie die Angeklagte aussagte. Nässte sie sich ein, wurde sie dafür bestraft, zum Beispiel mit heißem Wasser.

Der Angeklagte soll Anika W. auch Pulver ins Essen gemischt haben, das diese nicht vertrug. Später habe die Frau aus Niedersachsen nur noch in einer Badewanne schlafen dürfen. Auch hier sei sie wieder angekettet worden.

Tod nach Wochen der Qualen

Über Monate war die Frau in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten. So drohte die Angeklagte ihr mit einer Anzeige bei der Polizei, weil diese nach einem Wildunfall die Versicherung betrogen hatte. Sie habe Auto, Job und den Kontakt zu ihrer Mutter verloren. Die Mutter des Opfers nahm die Schilderungen unter Tränen und kopfschüttelnd auf.

In den Wochen vor ihrem Tod soll Anika W. kaum noch gegessen haben. Ihre Verletzungen, darunter zahlreiche Prellungen, verbrühte Haut und Schürfwunden, führten aber wohl nicht zum Tod. Die Ermittler gehen von einem Schädelbruch aus.

Nach einer weiteren Eskalation war die Frau aus Niedersachsen mit dem Hinterkopf auf den Betonboden vor der Scheune geschlagen. Gestoßen haben wollte die Angeklagte die Frau nicht. Von einer schweren und sogar später tödlichen Verletzung wollen beide Angeklagte zunächst nichts bemerkt haben. Die Frau schlief nach Schilderungen von Angelika W. eine weitere Nacht in der Badewanne, am nächsten Tag starb Anika W. wohl an den Folgen des Aufpralls.

Ohne Mitgefühl schilderte Angelika W., dass ihr das Leiden des Opfers in den letzten Stunden vor dem Tod auf die Nerven ging und sie beim Wäschewaschen gestört wurde. Einen Notarzt zu rufen, sei nicht infrage gekommen. "Ein Blinder mit Krückstock hätte sofort gesehen, wie viele Verletzungen sie hatte", sagte die Angeklagte.

Opfer per Kontaktanzeige gesucht

Angelika W. (47) und ihrem mitangeklagten Ex-Mann Wilfried W. (46) wird vorgeworfen, über Jahre hinweg Frauen mit Kontaktanzeigen in ihr Haus nach Ostwestfalen gelockt zu haben, um sie brutal zu misshandeln. Zwei Frauen starben infolge der Quälereien. Angeklagt sind die beiden wegen Mordes. Die Frauen sollen geschlagen, getreten, tagelang gefesselt, verbrüht und psychisch gequält worden sein.

Die Angeklagte hatte bei der Polizei umfangreich ausgesagt. Ihr Ex-Mann hat sich bisher noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der Prozess wird in der nächsten Woche fortgesetzt. Ein Urteil wird im Frühjahr 2017 erwartet.

 

(APA/dpa)