Grasser soll beim Buwog-Verkauf massiv zugunsten der Immofinanz interveniert haben. Der Ex-Finanzminister spricht von einer Hetzjagd und griff in einem Fernsehinterview alle Beteiligten seinerseits massiv an.
Jener Zeuge, der den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser in einem Artikel im aktuellen Nachrichtenmagazin "profil" im Zuge der Buwog-Affäre belastet, hat auch vor der Staatsanwaltschaft schwere Vorwürfe gegen den ehemaligen Spitzenpolitiker erhoben. Wie die Oberösterreichischen Nachrichten in der Dienstagausgabe berichten, soll der Zeuge Michael Ramprecht ausgesagt haben, dass Grasser den Verkauf der Wohnbaugesellschaften des Bundes massiv zugunsten der Immofinanz beeinflusst haben.
Grassers Gegenangriff
In der ORF-ZiB2 ging Grasser seinerseits zum Gegenangriff über und warf Ramprecht vor, 2006 zwielichtige Immobiliengeschäfte getätigt zu haben. Nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen "profil" seien Klagen wegen Verleumdung eingebracht worden. Auch Moderatorin Ingrid Thurnher blieb nicht verschont. Der Ex-Finanzminister warf ihr schlechte Recherchen vor und ließ sie kaum zu Wort kommen, während er seine eigenen Errungenschaften als Finanzminister in den Himmel lobte. Dass die Grünen ihn angezeigt hätten, sei für ihn wenig überraschend. "Es ist ja nicht das erste Mal", sagte Grasser.
Zeuge war drei Stunden beim Staatsanwalt
Wie die "Oberösterreichischen Nachrichten" berichten, soll der ehemalige stellvertretender Kabinettschef von Grasser drei Stunden lang bei Staatsanwalt Norbert Haslhofer unter Wahrheitspflicht ausgepackt haben. Demnach habe Grasser 2004 dafür gesorgt, dass als Investment-Bank Lehman-Brothers den Zuschlag erhielt. Für Lehman begleitete Grassers Freund Karlheinz Muhr den Verkaufsprozess.
Grasser bevorzugte Immofinanz
Immobilienmakler Ernst-Karl Plech und Ramprecht drückten Lehman im Buwog-Aufsichtsrat durch, schreibt die Zeitung. Plech habe dem Zeugen demnach klar mitgeteilt, dass es Grassers Wunsch sei, dass letztlich die Immofinanz den Zuschlag für die Buwog erhalte. Plech war einer der engsten Vertrauten des Finanzministers. Er ist seit heuer Grassers Partner in einer neuen Immobilienfirma.
Grasser spricht von Hetzjagd
In der Tageszeitung "Österreich" betont Grasser, dass er mit dem Zeugen nie besprochen hat, dass dieser für Lehman stimmen soll "denn mir war es damals vollkommen egal, wer den Auftrag bekommt", wird Grasser zitiert. Einen parlamentarischen U-Ausschuss in der Causa hält der Ex-Minister für nicht notwendig: "Da gibt es eine parteipolitische Hetzjagd zu Lasten des Herrn Grasser. Ich begrüße die Ermittlungen der Finanzfahndung gegen die Herren Meischberger und Hochegger sowie jene der Staatsanwaltschaft, wo rasch ermittelt wird." Meischberger war der Trauzeuge von Karl-Heinz Grasser und teilt sich mit Grasser eine Bürogemeinschaft. Hochegger zählte zum engen Freudeskreis von Grasser und war mit ihm gemeinsam wirtschaftlich aktiv.
(Ag./Red.)