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Lawrow: USA verzögern Vereinbarung zu Aleppo

Menschen sammeln sich in von der Regierung rückeroberten Stadtteilen, um die Rückkehr in ihre Wohnungen zu koordinieren.
Menschen sammeln sich in von der Regierung rückeroberten Stadtteilen, um die Rückkehr in ihre Wohnungen zu koordinieren.(c) APA/AFP/GEORGE OURFALIAN (GEORGE OURFALIAN)
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Der russische Außenminister meint, die USA wollten den Rebellen den Rückzug ermöglichen. Über 90 Prozent von Ost-Aleppo soll bereits unter Regierungs-Kontrolle stehen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat eine Einstellung der Luftangriffe auf die noch von Rebellen kontrollierten Gebiete Ost-Aleppos abgelehnt. "Die Angriffe werden so lange weitergehen, wie noch Banditen in Aleppo sind", sagte Lawrow am Freitag am Rande des OSZE-Ministerrats in Hamburg. Er kritisierte zugleich westliche Äußerungen zur Lage in der syrischen Stadt Aleppo als "hysterisch".

Der russische General Sergej Rudskoj sagte, die syrische Armee habe mittlerweile 93 Prozent von Ost-Aleppo eingenommen. In den vergangenen 24 Stunden hätten 12.500 Menschen Ost-Aleppo verlassen, darunter 4000 Kinder. 30 Aufständische hätten die Waffen niedergelegt.

Nach Aussage des russischen Außenministers würden die USA eine Einigung im Streit um Aleppo verschleppen, um den Rebellen den Rückzug von dort zu ermöglichen. Die USA verträten in den Verhandlungen mit der russischen Regierung eine seltsame, widersprüchliche Position, kritisierte Lawrow am Freitag am Rande einer OSZE-Konferenz in Hamburg.

Er sehe dennoch weiter gute Chancen für eine Einigung mit den USA. Voraussetzung sei aber, dass diese sich an einem Experten-Treffen in dieser Frage am Samstag in Genf beteiligten.

"Humanitäre Unterbrechung" dauerte nur kurz

Die syrische Armee hatte die Rebellen in Aleppo zuletzt immer mehr zurückgedrängt. Am Donnerstag erklärte Russland, die Armee habe ihre Angriffe gestoppt, damit Zivilisten gerettet werden könnten. Nach Angaben von Korrespondenten vor Ort und Rebellen setzte das Militär allerdings in der Nacht und am Freitag in der Früh seine Offensive in Aleppo fort. Russland unterstützt den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad militärisch im Kampf gegen die Aufständischen, die teils Unterstützung von den USA erhalten. Mittlerweile kontrolliert die syrische Armee, die von Russland unterstützt wird, aber wieder mehr als 85 Prozent von Ost-Aleppo.

Die kurze Feuerpause sei lediglich eine "humanitäre Unterbrechung" der Angriffe gewesen, sagte Lawrow. Zivilisten hätten die Stadt verlassen können, "die dies wollten". Von einer Einstellung der Kampfhandlungen sei dagegen nie die Rede gewesen.

UN-Vorwürfe gegen islamistische Milizen

Die UNO warf syrischen Aufständischen vor, Zivilisten an der Flucht aus dem umkämpften Osten Aleppos zu hindern. Wie der Sprecher des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Freitag in Genf sagte, könnten Bewohner der Rebellengebiete diese nicht verlassen, weil sie von "bewaffneten Gruppen der Opposition" festgehalten würden.

Dabei handle es sich vor allem um die islamistische Fateh-al-Sham-Front, die frühere Al-Nusra-Front. Sollte dies zutreffen, könnte es sich um ein Kriegsverbrechen handeln. Insgesamt befänden sich vermutlich noch etwa 100.000 Zivilisten in Gebieten, die von der Opposition gehalten würden.

Hunderte Männer sind nach den UNO-Angaben zudem auf dem Weg vom Rebellengebiet Aleppos in regierungskontrollierte Teile der syrischen Stadt offenbar spurlos verschwunden. "Angesichts der schrecklichen Berichte über willkürliche Internierungen, Folter und verschollene Personen sind wir natürlich tief besorgt", sagte Colville.

(APA/AFP)