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Wer den Ziesel nicht ehrt . . .

PK ARTENSCHUTZ: ARCHIVBILD ZIESEL
(c) APA (J.STEFAN)
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Wichtige Bauvorhaben und sinnvolle Lebensraumerhaltung unter einen Hut zu bringen ist nicht immer leicht. Neue und bewährte Lehrgänge tragen dem steigenden Bewusstsein dafür vermehrt Rechnung.

Naturschutzgesetze sind wichtig, können für Bauprojekte aber eine große Herausforderung darstellen. Bekanntes Beispiel: das „Ziesel-Gate“. In Wien Floridsdorf sollte 2013 ein großes Wohnbauvorhaben umgesetzt werden. Doch auf dem Areal lebte ein großer Bestand des streng geschützten Ziesels. Erst nach deren „Umzug“ zum Marchfeldkanal und Maßnahmen gegen deren Rückkehr konnte gebaut werden.

Win-win statt Ideologie

Mit ähnlichen Szenarien werden sich ab Februar 2017 die Teilnehmer des neuen Zertifikatslehrgangs Naturschutzkraft der FH Kärnten beschäftigen. „Wir haben den Zertifikatslehrgang gemeinsam mit dem E.C.O.-Institut für Ökologie entwickelt, weil es in der Bauwirtschaft immer öfter zu Berührungspunkten mit dem Naturschutzgesetz kommt“, sagt der wissenschaftliche Leiter, Martin Schneider. Die Absolventen können dann in Bau- und Rohstoffwirtschaft, Wasserwirtschaft, Management von Verkehrswegen und öffentlicher Infrastruktur sowie Naturschutzgebieten konkrete Naturschutzmaßnahmen betreuen und umsetzen. Dazu gehört auch das Bergen von Amphibien-, Fisch- oder Fledermauspopulationen sowie die sachgerechte Rekultivierung oder Anlage eines Biotops. „Eine große Rolle spielen rechtliche Rahmenbedingungen und Auflagen aus dem Naturschutzgesetz“, so Schneider. So stehen Naturschutz- und Umweltrecht auf dem Lehrplan, ebenso wie Baubetrieb, Maschinenkunde, Baumanagement und Geoinformatik. Bewerbungen sind bis 15. Dezember möglich.
„Insgesamt ist die Bedeutung von Energieeffizienz, Ökologie und Naturschutz in der Bauwirtschaft stark gestiegen“, sagt Andreas Hauser, Geschäftsführer der Bauakademie Wien. An der Bauakademie wurde – neben Werkmeister- und Bauleiterausbildungen – die „Aus- und Weiterbildung zum zertifizierten Energieausweisersteller“ am meisten nachgefragt. Dahinter steht das 2012 in Kraft getretene Energieausweis-Vorlage-Gesetz, mit dem die Umsetzung der EPBD-Richtlinie (Energy Performance for Building Directives) der EU in nationales Recht erfolgt ist. Zielgruppe sind alle, die laut Gesetz dazu berechtigt sind, Energieausweise zu erstellen: Baumeister, Haustechnikplaner, Zivilingenieure oder Ingenieurkonsulenten für Bauingenieurwesen. Zu den Inhalten gehören die Berechnung des Heizwärmebedarfs als Basis für die Erstellung des Energieausweises gemäß EPBD, die bauphysikalischen, gebäudetechnischen sowie technischen Grundlagen und die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen auf die Energiekennzahlen, die Umsetzung der einschlägigen Gesetze und Normen sowie das Wissen zur Beratung und Einreichung des Energieausweises. Ebenfalls bewährt hat sich der postgraduale Masterlehrgang Nachhaltiges Bauen der TU Wien und der TU Graz, der sich vor allem der Bewusstseinsbildung für ganzheitliche, lebenszyklusorientierte Betrachtung von Bauaktivitäten im Hinblick auf das Dreisäulenmodell der Nachhaltigkeit widmet – schon bei der Projektierung.

Sanieren mit Mehrwert

Im kommenden September soll in Kooperation mit der FH Burgenland auch erstmals ein Masterstudium zum Thema Sanierung und Unternehmensführung angeboten werden. Dabei handelt es sich um ein Fernstudium mit Präsenzphasen. Detailinfos über den Lehrplan werden Anfang Jänner veröffentlicht. Und an der FH Kärnten kommt ab dem Wintersemester 2017/18 mit dem Bachelorstudiengang Nachhaltiges Baumanagement ebenfalls ein neues Programm dazu. Dabei sollen auf allen Handlungsstufen der Projektentwicklung die jeweiligen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt berücksichtigt werden.

Web: www.fh-kaernten.at, www.fh-burgenland.at, https://cec.tuwien.ac.at, www.bauakademie.at