EU-Spitzenjob für heimischen Regulator

Telekombranche befürchtet Vernachlässigung.

Wien/Berlin. An sich ist es eine hohe Auszeichnung. Und so sieht das auch der österreichische Telekomregulator Johannes Gungl, der am Freitag zum Chef der europäischen Regulierungsbehörde (Berec) für das Jahr 2018 ernannt worden ist. Geht es doch darum, bei der von der EU geplanten „völligen Überarbeitung des EU-Rechtsrahmens für den Bereich Telekommunikation für die nächsten zehn Jahre aktiv mitzuarbeiten und mitzubestimmen“, wie Gungl der „Presse“ sagt.

Während Gungl, der nach Georg Serentschy, seinem Vorgänger bei der Telekom-Regulierungsbehörde RTR, der zweite Österreicher in dieser EU-Topfunktion ist, von Infrastrukturminister Jörg Leichtfried (SPÖ) Rosen gestreut werden, bleiben die Mobilfunker skeptisch.

Im Inland viel zu tun

Wie „Die Presse“ berichtete, haben die Chefs von A1 Telekom Austria, „3“ und T-Mobile, Margarethe Schramböck, Jan Trionow und Andreas Bierwirth Gungl, kürzlich in einem Brief gebeten, seine internationalen Interessen hintanzustellen und sich auf den Heimmarkt zu konzentrieren. Die Firmenchefs orten hierzulande genügend ungelöste Probleme. Dazu gehört etwa die Frage der Terminierungsentgelte und der Breitbandausbau. „Wir hoffen, dass Gungl das künftig nicht völlig vernachlässigt“, hieß es dazu am Freitag bei A1. Bei T-Mobile hieß es, der bisherigen Kritik sei nichts hinzuzufügen.

Gungl zerstreut die Bedenken: „Wir sind in Österreich voll von EU-Entscheidungen abhängig. Wenn wir bei so wichtigen Themen wie Frequenzvergabe, Universaldienst, Regelung neuer Services und Konsumentenschutz nicht mitreden, vergeben wir eine große Chance.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.12.2016)


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