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Schicksalstage für Italiens Banken

Italiens neuer Premier, Paolo Gentiloni, muss sich nun um Italiens Banken kümmern.
Italiens neuer Premier, Paolo Gentiloni, muss sich nun um Italiens Banken kümmern.(c) APA/AFP/ALBERTO PIZZOLI
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Während die Mailänder UniCredit ihre Fondstochter Pioneer für 3,5 Mrd. Euro verkaufen konnte, bemüht sich die angeschlagene Monte dei Paschi di Siena weiter um frisches Kapital.

Wien. Viel Zeit, um sich einzuarbeiten hat Paolo Gentiloni nicht. Noch in dieser Woche könnte Italiens neuer Premier einen Plan zur Rettung angeschlagener Banken auf den Weg bringen. Den Überlegungen zufolge steht die Errichtung eines mit bis zu 15 Mrd. Euro dotierten Fonds im Raum.

Davon soll nicht nur die älteste Bank der Welt, Monte dei Paschi di Siena, profitieren, sondern auch Institute wie die Volksbank von Vicenza und Veneto Banca. Die beiden Institute stehen derzeit unter Kontrolle des privaten Bankenrettungsfonds und sollen Ende Jänner fusioniert werden. Nach ihrem Zusammenschluss würde dann eine Kapitalerhöhung im Wert von 2,5 Mrd. Euro gestartet. Sollten sich nicht genügend Privatinvestoren finden, die diese Kapitalerhöhung unterstützen, wäre ein staatlicher Eingriff notwendig.

Ein solcher könnte sich auch bei Monte dei Paschi abzeichnen. Zwar hält der Staat nur vier Prozent an der Bank, doch könnte sein Anteil auf 40 Prozent steigen. Und zwar dann, wenn Anleihen des Instituts in Aktien umgewandelt werden. Eine solche „vorsorgliche Rekapitalisierung“ lässt die EU den Nationalstaaten offen, um Banken zu retten. Nach der weltweiten Finanzkrise hatte man sich in Europa eigentlich darauf verständigt, dass Eigentümer und Gläubiger für Verluste von Banken haften sollen und nicht primär die Steuerzahler. Bei Monte dei Paschi wären davon allerdings auch Zehntausende Kleinanleger betroffen, was die Sache politisch nicht ganz einfach macht.

Ursprünglich hatte die Bank geplant, fünf Mrd. Euro bei Investoren einzusammeln. Fraglich ist allerdings, ob dies bis Jahresende gelingen wird – die Bank möchte das allerdings weiter versuchen. Das durch die italienische Bevölkerung abgelehnte Verfassungsreferendum und der Rücktritt von Premier Matteo Renzi sorgten zuletzt für Unsicherheit. In der Vorwoche hatte die Europäische Zentralbank dann auch noch eine Fristverlängerung für den Rettungsplan der Bank abgelehnt. Nach einem starken Kurseinbruch in der Vorwoche legten die Aktien der Bank am Montag stark zu.

 

UniCredit verkauft Pioneer

EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny sagte am Montag, man müsse sich die rechtlichen Möglichkeiten ansehen, falls es der Bank nicht gelinge, rechtzeitig frisches Kapital einzusammeln. Die Rettung des Instituts dürfte jedoch nicht verschleppt werden, „weil doch ein gewisses Gesamtgefühl besteht, dass es nicht günstig wäre, Dinge lange hinauszuschieben“.

Etwas bessere Stimmung dürfte am gestrigen Montag bei der italienischen UniCredit geherrscht haben. Das Institut konnte den 3,5 Mrd. Euro schweren Verkauf seiner Fondstochter Pioneer an die französische Amundi unter Dach und Fach bringen. Der Deal soll in der ersten Jahreshälfte 2017 über die Bühne gehen. Amundi-Chef Yves Perrier rechnet damit, dass von den weltweit 5000 Stellen etwa 450 gestrichen werden.

Pioneer ist mit einem verwalteten Vermögen von 225 Mrd. Euro die Nummer sechs in Europa und rangiert auf Platz drei in Italien. UniCredit erwartet für das kommende Jahr einen zusätzlichen Gewinn von 2,2 Mrd. Euro aus der Transaktion. An der Börse wurde der Verkauf der Fondstochter mit Erleichterung aufgenommen. Die Papiere des Geldhauses legten im Tagesverlauf um 2,5 Prozent zu.
UniCredit versucht seit Längerem, ihre Kapitaldecke durch den Verkauf von Beteiligungen zu stärken. Erst in der Vorwoche hatte sich das Geldhaus von der polnischen Bank Pekao getrennt.

Zudem wird erwartet, dass das Mailänder Geldhaus am heutigen Dienstag eine Kapitalerhöhung von bis zu 13 Mrd. Euro ankündigen wird. (ag./red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2016)