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Die OMV öffnet Russland die Tür nach Europa

(c) REUTERS (LEONHARD FOEGER)
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OMV und Gazprom fixieren das lang erwartete Tauschgeschäft. Für den Einstieg der OMV in Sibirien erhält die Gazprom 38,5 Prozent an der norwegischen Tochter OMV Norge. Es sei denn, Oslo lässt das Geschäft doch noch platzen.

Wien. „How sweet it is to be loved by you...“, schallt Marvin Gayes Klassiker Mittwochmittag durch die Mitarbeiterkantine der OMV. Der heimische Mineralölkonzern ist in Feierlaune und das hat einen Grund: Alexei Miller, Chef der russischen Gazprom, ist endlich nach Wien gereist, um das lang angekündigte Tauschgeschäft mit OMV-Chef Rainer Seele zu unterzeichnen. Konkret soll die teilstaatliche OMV knapp 25 Prozent am sibirischen Gasfeld Urengoi erhalten. Der russische Staatskoloss sichert sich im Gegenzug 38,5 Prozent an der norwegischen Tochter OMV Norge. Der Deal tritt mit Anfang 2017 in Kraft, das Closing ist Ende 2018 geplant. Ein Jahr später soll die Produktion starten.

Das österreichische Unternehmen verspricht sich davon nicht nur die Steigerung der eigenen Reserven um mehr als die Hälfte auf knapp 1,6 Mrd. Fass Öläquivalent, sondern auch deutlich günstigere Rohstoffe als in Norwegen. Diesen Zugang zu einem der größten Gasvorkommen der Welt lässt sich die OMV einiges kosten. In Summe wird das Unternehmen bis 2039 rund 900 Mio. Euro in die Ausbeutung des Gasfeldes investieren. 40 Prozent davon sollen in den nächsten beiden Jahren fließen.

Wichtiger als das Geld der Österreicher dürfte Russland aber sein, mit der OMV unter Rainer Seele einen loyalen Türöffner nach Europa gefunden zu haben. Spätestens seit der Ukraine-Krise ist das Verhältnis zwischen Moskau und der EU mehr als angespannt. Die OMV und Gazprom hindert das aber nicht, „die fast 50-jährige Partnerschaft auf ein neues Niveau zu heben“, versprach Rainer Seele. Die beiden Unternehmen würden künftig vom Bohrloch bis zum Endkunden eng kooperieren. So ist die OMV auch eine der treibenden Kräfte in Europa hinter der geplanten Gaspipeline Nord Stream 2 von Russland nach Deutschland. Das Gazprom-Projekt ist in der EU höchst umstritten. Ein westliches Eigentümerkonsortium, dem die OMV angehörte, löste sich angesichts des Widerstands der Polen vor wenigen Wochen auf. Dennoch wollen alle westlichen Partner an Bord bleiben, auch die Finanzierung sei gesichert, versicherte Alexei Miller.

Freilich soll auch der „alte, zuverlässige Partner“ Österreich profitieren, versprach der Gazprom-Chef. Man habe in den vergangenen fünf Jahrzehnten nicht nur über 200 Mrd. Kubikmeter Gas geliefert, sondern über Österreich auch Frankreich, Italien, Deutschland, Ungarn, Slowenien und Kroatien beliefert. Diese Rolle als Gasknotenpunkt in Europa werde wichtiger werden. Rechtzeitig zur „Goldenen Hochzeit“ der beiden Länder in zwei Jahren wolle man man gute Ergebnisse liefern.

 

Wird Norwegen zum Stolperstein?

Doch trotz aller Liebesbekundungen ist auch dieser Deal nicht ohne Haken. So wird die OMV etwa das Gas aus Urengoi nicht zu demselben Preis erhalten wie die Gazprom selbst. Die Preisformel orientiere sich an jener für den bisherigen Partner Wintershall – und sei freilich höher als der russische Inlandspreis, sagte Miller. Wie billig das russische Gas für die OMV also wirklich ist, wird die Öffentlichkeit wohl lang nicht erfahren.

Wichtiger aber: Obwohl ein großer Teil der Investitionen schon jetzt fällig wird, gibt es noch genug Stolpersteine, die das Geschäft zum Scheitern bringen könnten. Der größte wartet wohl in Norwegen. Wie berichtet, dürften die norwegischen Behörden wenig Interesse am Einstieg der Russen haben. Gazprom-Vize Alexandr Medwedjew selbst räumte im Herbst ein, dass Norwegen eine Beteiligung der Russen über 25 Prozent blockiere. Weniger als 38,5 Prozent kämen jedoch nicht infrage, betonte Miller. „Der Anteil ist die wichtigste Bestimmung des Deals.“ Der OMV und Gazprom steht also noch einiges an Arbeit bevor. Noch sei kein Antrag eingereicht worden, hieß es im zuständigen norwegischen Ministerium zur „Presse“. Die Erfolgschancen wollte man nicht kommentieren. Seele sah „keine Indikation“, warum der Deal in Oslo scheitern sollte. Miller wollte „Probleme erst lösen, wenn sie auftauchen“. Das könnte früher der Fall sein, als ihm lieb ist. In wenigen Wochen fahren die beiden Unternehmenschefs erstmals zu offiziellen Gesprächen nach Norwegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2016)