Der Preisrallye beim Gold wird eine Inflation folgen, sagt der Ökonom Dan Greenhaus. Euro-Anleger, die jetzt Gold kaufen und bis Jahresende auf einen steigenden Kurs spekulieren, könnten Verluste erleiden
Wien (hie/ker). Der Goldpreis setzt seinen Höhenflug weiter fort. Nachdem er am Dienstag auf knapp 1050 Dollar angestiegen ist, hat sich der Preis für eine Feinunze Gold gestern, Mittwoch, immer noch über 1040 Dollar bewegt.
Für Dan Greenhaus, Ökonom bei Miller Tabak & Co. in New York, ist der steigende Goldpreis ein Ankünder für eine wiederkehrende Inflation. „Sollte der Goldpreis weitersteigen, wird die Inflation zurückkehren“, warnt Greenhaus gegenüber Bloomberg.
Analyst Valentin Hofstätter (Raiffeisen Zentralbank) geht davon aus, dass sich der Goldpreis bis zum Jahresende noch auf bis zu 1100 oder gar 1200 Dollar aufschwingen könnte. Auch Michael Jansen, Analyst bei JP Morgan, rechnet mit einem weitersteigenden Goldpreis: „Wir werden weitere Hochs in den nächsten drei bis sechs Monaten sehen“, wie er der Nachrichtenagentur Reuters sagte.
Eine entscheidende Rolle spielt auch der Dollarkurs. „Der Dollar ist der Haupttreiber für den Goldpreis“, sagt Hofstätter. Für die Euro-Anleger hat das aber auch eine Schattenseite. Gold wird nämlich in Dollar gehandelt. Historisch lässt sich beobachten, dass ein steigender Goldkurs von einem sinkenden Dollarkurs begleitet wird. Nimmt der Dollar zum Euro allerdings ab, erleiden die Euro-Anleger Währungsverluste.
Gleichzeitig gehen die Analysten der UniCredit in ihren aktuellen Berechnungen davon aus, dass der Euro auf 1,55 Dollar steigen wird (was heißt, dass der Dollar auf 0,645 Euro abfallen wird).
„Gold-Hoch nur kurzfristig“
Hofstätter rät von einer Umschichtung des Anlageportfolios auf einen großen Goldanteil ab. Die aktuelle Entwicklung habe „nichts mit dem sicheren Hafen Gold zu tun. Es geht rein darum, auf den schwächelnden Dollar zu setzen.“
Umso mehr, als der Analyst damit rechnet, dass das gegenwärtige Gold-Hoch nur eine kurzfristige Entwicklung ist, die bald wieder vorbei sein könnte. Spekuliert man jetzt also auf einen weiterfallenden Dollar bei einem steigenden Goldpreis, empfiehlt Hofstätter: „Zu Jahresende würde ich den Gewinn mitnehmen und rausgehen.“ Sofern überhaupt ein Gewinn bis Jahresende für jene Anleger übrig bleibt, die kein Dollarkonto haben.
Jene Investoren, die jetzt noch in Gold einsteigen, sollten gut aufpassen. Steigt der Goldpreis bis Jahresende tatsächlich auf die prognostizierten 1100 Dollar, entspricht das auf Dollarbasis einem Anstieg um knapp sechs Prozent. Nimmt der Dollar gleichzeitig auf die erwarteten 0,645 Euro ab, reduziert sich der Kursgewinn beim Gold auf läppische 0,3 Prozent. Rechnet man die Kaufspesen für die Banken – die Spreads zwischen Ankauf und Verkauf belaufen sich im Normalfall auf zwei bis vier Prozent – auch noch weg, steigen die Euro-Anleger mit einem Wertverlust aus.
Die angekündigte Inflation ist dabei noch gar nicht weggerechnet.
AUF EINEN BLICK
■Der Preisrallye beim Gold wird eine Inflation folgen, sagt der Ökonom Dan Greenhaus.
■Euro-Anleger, die jetzt Gold kaufen und bis Jahresende auf einen steigenden Kurs spekulieren, könnten Verluste erleiden. Wegen der Währungsverluste, der Kaufspesen und der drohenden Inflation.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2009)