Wenn das die Zukunft ist, dann sitze ich es eben aus

Altes Telefon
(c) imago/blickwinkel (imago stock&people)

Jedes Mal, wenn von selbstfahrenden Autos die Rede ist, denke ich mir, wer will so etwas eigentlich?

Jedes Mal, wenn von selbstfahrenden Autos die Rede ist, denke ich mir, wer will so etwas eigentlich? Die Vorstellung, dass Autos ohne Fahrer herumkurven, ist beunruhigend, sind doch schon Autos mit Fahrern, besonders vor Weihnachten, angsteinflößend. Aber es geht bei all diesen Weiterentwicklungen angeblich nicht um den Bedarf, sondern um die Möglichkeiten. Und außerdem, sagt jemand, der mir Fortschrittsfeindlichkeit vorwirft, hätte sich früher auch niemand vorstellen können, dass es einmal Straßenbahnen ohne Schaffner gibt.

Das Problem ist ja nur, dass automatisierte Abläufe nicht immer automatisiert ablaufen, und man erst wieder Menschen bemühen muss. „Toxic hands“, sage ich dann und lächle entschuldigend, wenn mir der halbe Flughafen beim Automaten-Check-in zusieht, der wieder einmal nicht funktioniert. Zurückgelächelt hat aber noch nie jemand. Meist liegt es an so banalen Dingen wie der Schreibweise des Namens. Doppelnamen, Bindestriche und Umlaute sind programmierte Hürden.

So selbstverständlich wie Kinder heute mit Touchscreens aufwachsen, so verzweifelt wünscht man sich manchmal auch simple Tasten zurück. Unlängst, nach zeitraubenden Versuchen, ein Kochfeld zu aktivieren, das sich offenbar selbst umprogrammiert hatte, war die vormals glänzende Ceran-Fläche mit Tausenden Fingerabdrücken übersät, sie blieb aber kalt. „Spuren der Verzweiflung“ nannte das eine Freundin, die das Foto der hilflosen Tapser dann auf Facebook stellte.

Ich will keinen Kühlschrank, der selbst bestellt, wenn er leer ist, ich will auch keine Heizung, die sich automatisch einstellt, ich will Dinge, die so funktionieren, wie ich das bestimme. Das ist nicht die Zukunft, sagt mein Fortschrittsfreund. Wenn das die Zukunft ist, dann sitze ich das eben aus, sage ich. Irgendwann kommt alles zurück, und es wird auch wieder Drehknöpfe geben. Solange die Smartphones junger Menschen so klingeln wie die Telefonapparate aus Hitchcock-Filmen, gibt es Sehnsucht nach der alten Welt.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com