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Kein gutes Jahr für Börsengänge

Bulle und Baer - bull and a bear
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Die politischen Unsicherheiten schrecken Investoren ab.

Wien. In Wien gab es seit 2014 keinen Börsengang mehr. So schlimm ist es auf anderen Märkten nicht – aber ein gutes Börsenjahr war 2016 nicht. Dazu trugen der Brexit, die hohen Ölpreisschwankungen und zuletzt die Präsidentenwahl in den USA bei. Weltweit ist die Zahl der Börsengänge um 16 Prozent auf 1055 gesunken, erhob das Prüfungs- und Beratungsunternehmen EY. Die Erlöse fielen sogar um ein Drittel auf 135 Mrd. Dollar.

In Europa lag das Platzierungsvolumen sogar um die Hälfte unter dem Vorjahr. Die USA erleben mit einem Minus von mehr als einem Drittel das schwächste Jahr für Neuemissionen seit 2009. Sogar China verzeichnet einen, wenn auch nur leichten Rückgang der Börsengänge (IPO) um sechs Prozent. Das Emissionsvolumen fiel aber mit 23 Prozent deutlich.

In Deutschland schafften nur acht Unternehmen den Sprung an die deutsche Börse, gut halb so viele wie 2015. Sie sammelten nur 5,2 Mrd. Euro ein, fast zwei Mrd. weniger als 2015. Ohne das Schwergewicht Innogy wäre die Bilanz noch ernüchternder ausgefallen. Die RWE-Ökostromtochter brachte allein 4,6 Mrd. Euro ein und war damit weltweit die zweitgrößte Neuemission nach der chinesischen Postbank (7,1 Mrd. Euro).

Das vierte Quartal brachte den einzigen Börsengang eines österreichischen Unternehmens – allerdings machte der Videospielentwickler THQ Nordic den Schritt in Stockholm (Nasdaq First North). „Obwohl sich die Bewertungen in der zweiten Jahreshälfte gut entwickelten, war das Marktumfeld weiter von Unsicherheit und Vorsicht geprägt“, resümiert Gerhard Schwartz, Partner bei EY Österreich. „Etliche Unternehmen legten ihre Börsenpläne auf Eis oder entschieden sich für alternative Transaktionsformen – etwa einen Verkauf an strategische Investoren oder Finanzinvestoren wie Beteiligungsgesellschaften.“

In Deutschland ging etwa der IVG-Immobilienkonzern OfficeFirst an den Finanzinvestor Blackstone statt an die Börse, der Batteriehersteller Varta scheiterte an der Nachfrage der Anleger. Vor allem bei kleineren Börsenkandidaten hielten sich die Investoren zurück. 2017 sind in Deutschland nur rund zehn Börsengänge realistisch. (red)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2016)