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Der Expolizist baut auf Sand – in Dubai

(c) Clemens Fabry
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Josef Kleindienst, Ex-FPÖ-Mitglied, Gewerkschafter und Buchautor, über sein neues Leben.

Wien/Dubai. Die internationale Wirtschaftskrise ist auch an ihm nicht spurlos vorbeigegangen: „Einige Projekte stehen derzeit still, einiges wurde auf Eis gelegt.“ Aber Josef Kleindienst ist optimistisch: „Die Wirtschaftslage beginnt sich zu bessern, die Dinge normalisieren sich – hier in Dubai.“

Kleindienst ist Immobilienentwickler. Gemeinsam mit arabischen Partnern und Privatinvestoren kauft er Grundstücke, plant Projekte und verkauft wieder. Und das sehr erfolgreich, 50 Angestellte hatte er zu seiner besten Zeit.

Auf der Homepage „www.kleindienst-group.com“ kann man sich die Ideen und Visionen von CEO Kleindienst ansehen. Sein bekanntestes Projekt ist das „Hotel Sissi“ auf einer künstlichen Insel vor der Küste Dubais. Die Krise hat Sissi verzögert, aber nicht aufgehoben.

Vor zehn Jahren hatte der Unternehmer mit Immobilien wenig am Hut. Da war Kleindienst FPÖ-Mitglied, Polizist und seit 1.Mai 1998 auch Chef der FPÖ-Polizeigewerkschafter. Jörg Haider hatte dem 1964 in Niederösterreich geborenen Kleindienst zu diesem Posten verholfen.

 

Auslöser der „Spitzelaffäre“

Kleindienst ließ bald mit radikalen Aussagen aufhorchen. So verteidigte er etwa jene Polizisten, die den verstorbenen Schubhäftling Omofuma „beamtshandelt“ hatten. Für Aufregung sorgte auch seine Ankündigung, allen Beschwerden von „Straftätern und Gesetzesbrechern“ gegen die Polizei mit Klagen zu antworten. Doch etwa zwei Jahre später legte Kleindienst seine Funktion als Gewerkschaftschef zurück, brach mit der FPÖ, trat aus der Polizei aus, veröffentlichte 2001 das Buch „Ich gestehe“ und trat damit die sogenannte „Spitzelaffäre“ los.

Kleindienst erzählt darin, wie sich die FPÖ jahrelang illegal personenbezogene Daten aus dem Polizeicomputer geholt hat, wobei er schwere Vorwürfe gegen höchste FPÖ-Funktionäre erhebt. Die Affäre sorgte für Wirbel und endete damit, dass der Aufdecker selbst vor Gericht stand – aber letztlich freigesprochen wurde.

Das war 2004. Kleindienst hatte mittlerweile Österreich schon verlassen und Dubai zu seinem neuen Lebensmittelpunkt gemacht. Eigenen Angaben zufolge finanziell abgesichert mit dem Gewinn aus Aktienspekulationen und den Einkünften aus seinen Büchern („Nie wieder Strafe zahlen“).

 

„Strache ist Hassprediger“

Den Rücken gekehrt hat er seiner Heimat nicht gänzlich. Ein paarmal im Jahr kommt er nach Österreich; jetzt wieder Ende Oktober, um mit Tourismusbetrieben in Westösterreich Gespräche zu führen. „Ich habe heute zu keiner Partei Kontakt“, erzählt er der „Presse“. Auch nicht zur FPÖ, deren Politik er nicht gutheißt. „Ich habe hier in Dubai erlebt, wie respektvoll man auch als Christ behandelt wird.“ Heinz-Christian Strache sei ein Hassprediger, er schüre Konflikte zwischen Österreichern und Moslems. „So einer sollte nicht in einer Regierung sein.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.10.2009)