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Raiffeisen will Polbank bis Juni an die Börse bringen

REUTERS (KACPER PEMPEL)
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Die Raiffeisen Bank International legt nach den geplatzten Verkaufsverhandlungen für die Polbank nun den Fokus auf einen Börsengang der polnischen Tochter.

Nach dem Scheitern des Verkaufs ihrer Polen-Tochter Raiffeisen Polbank an die Alior Bank muss die RBI nun bis Ende Juni 2017 mindestens 15 Prozent der Polbank an die Börse bringen - und mehr dürften es angesichts der aktuellen Marktlage auch nicht werden, sagte der designierte Vorstandsvorsitzende der "RBI-neu", Johann Strobl, am Dienstag vor Journalisten in Wien.

"Eine Notiz einer Tochter ist ja nicht unbedingt vorteilhaft wegen des Minority Regimes", sagte Strobl. "Am Ende ist es natürlich eine Frage, wie der Preis ist. Es gibt irgendwo ein Preislevel, wo dann der Minderheitennachteil nicht mehr so gravierend ist, aber auf dem Niveau, wo heute polnische Banken handeln, wird man wohl nicht mehr machen, sondern vielleicht bei den 15 Prozent bleiben."

Nach dem IPO werde man beobachten müssen, welche Rolle die RBI in Polen künftig spielen werde. Polen sei von der Kundenstruktur her ein attraktiver Markt, er habe aber durch die hohe Bankensteuer an Attraktivität verloren. "44 Basispunkte vor Steuern, dass muss man erst einmal verdienen", sagte Strobl. Die Folgen habe man in der Bewertung der Bankaktien gesehen.

"Wir haben in Polen eine große Aufgabe vor uns", sagte Strobl. "Die wird man zum Teil schon im Rahmen der IPO-Vorbereitungen sehen können. Sicherlich haben wir eine Cost Income Ratio (CIR), die nicht nachhaltig so bleiben kann." Derzeit habe man in Polen eine CIR von "ein Stückl über 70 Prozent, und als Gruppe haben wir uns ja 50 bis 55 Prozent gesetzt. Das muss natürlich jede Netzwerkbank auch schaffen." Zu schaffen sei das in zwei Jahren, so Strobl.

Man werde daher in Polen Anpassungen vornehmen müssen, ein Mitarbeiterabbau werde unvermeidbar sein. Ende Juni hatte die RBI in Polen 4.800 Mitarbeiter. Polen sei ein Sonderfall, aber insgesamt sei die RBI heute "dort tätig, wo wir auch tätig sein wollen", sagte Strobl. In allen anderen Märkten habe man gute Marktpositionen. Auch die Banken, die in den letzten Jahren Schwierigkeiten hatten, hätten sich erholt und würden jetzt recht gute Ergebnisse liefern. "In gewisser Weise zählt jetzt auch Albanien dazu. In Albanien gab es zwar große Problemfälle, deswegen wird das Ergebnis heuer negativ sein", das ändere aber nichts an den längerfristig positiven Aussichten. "Wenn die Justizreform in Albanien gelingt, dann ist auch das ein Land, wo man Bankgeschäfte machen kann."

In Russland werde man, wie schon in den vergangenen Jahren, auch heuer wieder ein sehr gutes Ergebnis erzielen, sagte RBI-Chef Karl Sevelda, der im März von Strobl abgelöst wird. "Allfällige Annäherungen auf der weltpolitischen Bühne können sicherlich nur von Nutzen sein, aber wir bauen nicht notwendigerweise darauf." Die Sanktionen gegen Russland seien erst kürzlich verlängert worden, "wir stellen uns jetzt nicht auf eine rasche Aufhebung der Sanktionen ein".

Das Geschäft in der Ukraine habe man stark reduziert, sagte Sevelda. "Wir sind eigentlich nur mehr bei den Multinationalen tätig, wir sind in der Agroindustrie tätig und im oberen Retail-Bereich."

Die Aussichten für die RBI hätten sich seit dem vergangenen Jahr deutlich verbessert, sagte Strobl. Die Wirtschaftsprognosen in den RBI-Märkten seien sehr positiv, mit Wachstumsraten zwischen 2 und 4 Prozent in den kommenden zwei bis drei Jahren. Mit den bisherigen Ergebnissen des Restrukturierungsprogramms sei man zufrieden, "die Kapitalquoten, die wir uns als Ziel gesteckt haben, haben wir jetzt erreicht". Auch wenn jetzt die Kapitalquote durch den bevorstehenden Merger etwas geschwächt werde, werde sie auch nach der Fusion eine sehr gute sein.

 

 

(APA)