Wird Bogdan Roščić Wiener Staatsoperndirektor?

WIen 12 02 2002 Bogdan ROSCIC Portrait
Bogdan Roscic auf einem Archivbild von 2002(c) imago/SKATA (imago stock&people)

Kulturminister Drozda wird heute seine Entscheidung zur Staatsopern-Zukunft bekannt geben. Nun macht ein Gerücht die Runde.

Am 9. Dezember ist die Frist abgelaufen: Bis dahin haben sich 18 Kandidaten für die von Kulturminister Thomas Drozda neu ausgeschriebene Leitung der Wiener Staatsoper (für die Periode 2020 bis 2025) beworben, darunter vier Frauen. Die Hälfte der Bewerber komme aus dem Ausland, hieß es aus dem Ministerium. Auch der amtierende Staatsoperndirektor Dominique Meyer hat sich um eine Verlängerung seines Postens beworben. Er werde noch im Dezember entscheiden, hatte Drozda erklärt, auf eine Findungskommission hatte er verzichtet. Nun ist offenbar eine Entscheidung gefallen, der Minister und der Geschäftsführer der Bundestheater-Holding, Christian Kircher, wollen am Mittwochvormittag im Bundeskanzleramt „zur Besetzung der Wiener Staatsoperndirektion 2020 bis 2025“ referieren.

Schon am Montagnachmittag machte ein Ondit die Runde, laut dem – ähnlich wie bei der Bestellung der neuen Leiterin fürs Belvedere – ein Kandidat ausgesucht worden ist, mit dem bisher niemand gerechnet hatte: Der Kulturmanager Bogdan Roščić, geboren 1964 in Belgrad, derzeit Leiter der Klassikabteilung von Sony Music, könnte der Auserwählte sein. Er soll sich in den Gesprächen mit Minister Drozda gegen Kandidaten wie den Intendanten der Brüsseler Oper, Peter de Caluwe, durchgesetzt haben. Was dafür sprechen würde, ist, dass vor allem Kircher bewusst nach einem eher jüngeren Namen gesucht haben soll. Roščićs Name soll zudem schon im Frühsommer gefallen sein, als die Regierungsspitzen gemeinsam nach einem möglichen Kandidaten für den Posten des ORF-Generaldirektors gesucht hatten. So wie auch Rewe-Chef Frank Hensel.

Von der „Presse“ über Ö3 zu Sony

Roščić ist ein Grenzgänger zwischen E- und U-Musik, er begann 1989, nach einer Dissertation über Adorno, als Popkritiker bei der „Presse“, wechselte dann in die Medienredaktion des „Kurier“. 1993 wurde er Musikchef, 1996 Senderchef von Ö3, wo er das Programm konsequent nach kommerziellen Richtlinien in ein „Formatradio“ umgestaltete. 2002 wurde er Managing Director von Universal Music Austria, als solcher saß er in der Jury der TV-Casting Show „Starmania“. 2003 wurde er künstlerischer Leiter der Deutschen Grammophon Gesellschaft in Hamburg, 2006 Managing Director des Klassik-Labels Decca (in London), 2009 President von Sony Music Classical in New York.

Mit der Leitung eines Theaters hat der angebliche Favorit des Ministers bisher zwar keine Erfahrung gemacht, in seiner Eigenschaft als Medien-Manager ist ihm aber immerhin der Umgang mit Klassikstars vertraut.

Weitere Namen für das Amt des Operndirektors waren am Dienstag zu hören. So soll es Gespräche mit dem gebürtigen Deutschen Alexander Neef von der Canadian Opera, Andreas Homoki, seit 2012 Intendant des Opernhauses Zürich, und dem Wiener Alexander Pereira gegeben haben. Letzterer war Intendant der Salzburger Festspiele und ist heute Leiter der Mailänder Scala. (red.)