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„Falsches Signal“: Kritik an privater Notaufnahme

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Symbolbild.(c) APA/HELMUT FOHRINGER
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Patientenanwältin Sigrid Pilz hält die Notfallambulanz der Privatklinik Döbling für das „falsche Signal“. Die Ärztekammer will das Angebot sogar kartellrechtlich prüfen lassen.

Wien. Die Errichtung einer Notaufnahme für Sonderklassepatienten in der Privatklinik Döbling Anfang 2017 („Die Presse“ berichtete am Dienstag exklusiv) stößt von mehreren Seiten auf teilweise scharfe Kritik. Denn obwohl die Zahl der privaten Krankenversicherungen seit Jahren ständig steigt und Patienten zunehmend auf Privatspitäler sowie niedergelassene Wahlärzte ausweichen, blieb zumindest die Notfallmedizin bisher von diesem Trend unberührt.

Dabei ist eine private Notfallambulanz für Patienten, die gegen Bezahlung lange Wartezeiten und eine Unterbringung in Gangbetten vermeiden wollen, laut Einschätzung vieler Ärzte nur die logische Entwicklung eines boomenden Sektors. Daraus macht Uniqa, der größte Anbieter von privaten Krankenversicherungen in Österreich und Betreiber der Privatklinik Döbling (über ihre 100-Prozent-Tochter Premiqamed), auch kein Geheimnis.

Man trage nur „dem wachsenden Bedürfnis der Kunden Rechnung, auch außerhalb der stationären Versorgung rasch kompetente privatärztliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können“. Daher wird ab Februar die Zusatzversicherung „Akut-Versorgt“ angeboten. Wer sie abschließt, kann bei Notfällen fast aller Art die „akutmedizinische Versorgung“, wie Uniqa ihre Notfallambulanz nennt, in der Klinik Döbling aufsuchen.

Ein Angebot, das Fragen aufwirft, sagt Wiens Patientenanwältin Sigrid Pilz. Gehe man davon aus, dass Patienten mit echten Notfällen die Ambulanz aufsuchen, müsse die Klinik nachweisen, dass sie das „Hinterland“ für solche Notfälle zur Verfügung stellen kann. „Kann wirklich eine intensivmedizinische Versorgung gewährleistet und beispielsweise jederzeit ein Herzkatheter gemacht bzw. ein Schlaganfall optimal behandelt werden?“, fragt Pilz. „Oder werden die Patienten bei lebensbedrohlichen Notfällen erst wieder in öffentliche Spitäler gebracht? In diesem Fall wäre jeder Umweg zu viel.“ Daher solle jeder Interessent beim Anbieter genau erfragen, ob er im Ernstfall in einer Privatklinik die Qualität der Notfallversorgung bekommen kann, die in einem öffentlichen Spital geboten wird.

Dennoch spreche ein solches Produkt nicht für ein funktionierendes öffentliches System. Deshalb sei es höchste Zeit, die öffentlichen Ambulanzen mit einem flächendeckenden Erstversorgungssystem im niedergelassenen Bereich zu entlasten. Denn ob private Notaufnahmen öffentliche entlasten werden, könne noch nicht abgeschätzt werden. Sie halte diese Ambulanzen jedenfalls für das „falsche Signal“ in einem Gesundheitswesen, das auf Solidarität beruhe.

Auch der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) teilte auf Nachfrage mit, dass es schwer zu beurteilen sei, wie sich dieses Angebot auf die Ambulanzen öffentlicher Spitäler auswirken werde. Auch deshalb, weil noch nicht geklärt sei, welche Behandlungen diese Zusatzversicherung umfasse. Der KAV werde seinem öffentlichen Auftrag jedenfalls weiterhin nachkommen.

 

Kammer will kartellrechtliche Prüfung

Eine kartellrechtliche Prüfung kündigte am Dienstag Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres an. Um zu klären, ob die Notaufnahme nur für Uniqa-Versicherte oder alle Patienten zugänglich sein soll. Ersteres wäre laut Ärztekammer rechtlich problematisch. In jedem Fall sei die private Notfallambulanz ein „weiterer Schritt in Richtung Zweiklassenmedizin, wir haben so eine Entwicklung befürchtet“. Zudem sei es wahrscheinlich, dass andere Privatspitäler nachziehen. Und zwar dann, wenn feststehe, welche konkreten Leistungen die Notaufnahme in Döbling anbieten wird.

Von der Wiener Berufsrettung wird die Privatklinik Döbling bei Notfällen jedenfalls weiterhin nicht angefahren – selbst, wenn Patienten diesen Wunsch äußern sollten. Wer in welches Spital kommt, entscheidet ein sogenannter Bettenmanager je nach Art des Notfalls und Spitalskapazität. Die Klinik in Döbling ist im elektronischen System der Rettung nicht einmal erfasst. Einen privaten Transport plant Uniqa vorerst nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2016)