Ein Linzer Unternehmen hat sich Internetsicherheit zur Aufgabe gemacht. Geschäftsführer Paul Karrer erwartet mehr Cyberattacken und kritisiert, dass Firmen die Verantwortung auf die Kunden abwälzen.
Linz. Wenn Menschen Angriffen zum Opfer fallen, braucht es oft keinen körperlichen Kontakt mehr. Cyberattacken sind im 21. Jahrhundert gang und gäbe. Das weiß auch Paul Karrer, Geschäftsführer der Firma Arrow ECS Internet Security. Das Linzer Unternehmen hat sich unter anderem Internetsicherheit zur Aufgabe gemacht.
„Das Internet ist die dominierende Infrastruktur im Kommunikationswesen. Es breitet sich eine massive Monokultur aus. Und Monokulturen sind eine Bedrohung“, sagt Karrer. Schätzungen zufolge werden 2020 mehr als 50 Milliarden technische Geräte mit der „Internet of Things (IoT)“-Technologie ausgerüstet sein. „Die gesamte Infrastruktur ist somit von überall auf der Welt relativ einfach angreifbar, und niemand weiß dann, wer es war“, meint Karrer. Er ist überzeugt, dass Cyberattacken auf Internet-Provider, Banken oder Firmen wie Sony und A1 zunehmen werden. Es bedürfe eines Wandels, um die technische Infrastruktur langfristig am Leben zu erhalten.
Karrer sieht ein Problem darin, dass viele Firmen versuchen, die Verantwortung in Sachen Cyberattacken auf den Konsumenten abzuwälzen. Bei den modernen Formen des Phishings gehen die Täter gezielt auf Personen los. Die Qualität dieser Betrugs-Mails wird immer besser, und es ist selbst für Fachleute oft schwer zu unterscheiden, ob das Mail echt ist oder nicht. „Die Software- und Sicherheitsindustrie muss darauf reagieren, denn es ist dem durchschnittlichen User nicht mehr zuzumuten, derartige Angriffe zu durchschauen“, sagt Karrer.
Know-how weitergeben
Die IT-Branche war anfangs eine Multiprotokoll-Welt. Es gab neben dem Internet weitere konkurrenzfähige Technologien. Doch war keine so schnell und universell einsetzbar wie das System der IP-Protokolle. „Die einfachen Dinge setzen sich durch“, erklärt Karrer.
Neben dem Thema Internet Security bedient Arrow auch alle anderen Geschäftsfelder, die für IT-Unternehmen relevant sind – Software, Hardware und Data Center. Verkauft wird aber nur an Großhändler, Re-Seller und Systemintegratoren wie A1, Kapsch oder Bechtle – nicht an den Endkunden.
Es ist nicht unüblich, dass große Firmen mit jungen Start-ups kooperieren, vor allem in der IT-Branche. Für Arrow sind die jungen Unternehmen auch auf andere Weise interessant. Auf der internationalen Crowdfunding-Plattform Indiegogo bewertet und zertifiziert Arrow eingereichte Projekte im Hinblick auf die Qualität des Hardwaredesigns. Das „Approved by Arrow“-Siegel soll potenziellen Investoren die Nachhaltigkeit und technische Ausgereiftheit garantieren.
So möchte Arrow sein jahrelang aufgebautes Know-how in der Branche an junge Unternehmer weitergeben. Karrer selbst baute 1995 mit seinem Bruder und seinem Vater in Linz einen Internet-Service-Provider auf. Dabei erkannten die drei, dass ein solcher Service nicht betrieben werden kann, ohne das Netz abzusichern. 2001 verkaufte man den Service-Provider, das Thema Netzsicherheit blieb jedoch weiter von Interesse. Im selben Jahr gründete Karrer die Internet Security AG. Diese wurde 2005 vom US-Konzern Arrow gekauft und wird seither unter dessen Namen betrieben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2016)