Banken: Böse Überraschung bei Garantieprodukt

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Die Bankhäuser und Fondsgesellschaften bieten laufend neue Garantieprodukte mit dem Versprechen „Sie können nicht verlieren“, an. Das stimmt aber nicht immer.

WIEN.Die Österreicher sind derzeit sehr empfänglich für Werbesprüche wie „beste Ertragschancen mit 100-prozentiger Kapitalgarantie“. Die Bankhäuser und Fondsgesellschaften bieten laufend neue Garantieprodukte an. Das Angebot klingt verlockend: Die Anleger bekommen am Ende der Laufzeit zumindest das eingesetzte Kapital zurück. Außerdem naschen sie bei einer etwaigen Wertsteigerung mit.

Diese Produkte sind keine neue Erfindung. Vielmehr haben sie bereits in der Vergangenheit für Enttäuschung gesorgt, wie das Beispiel Raiffeisen verdeutlicht. Die Raiffeisen Capital Management (RCM) hat im Jahr 2007 den „Raiffeisen-Wachstumsländer-Garantiefonds“ aufgelegt. Die Investoren sollten von den aufstrebenden Aktienmärkten in China, Indien et cetera profitieren.

Der Verlierer ist der Anleger

„Wer hohe Ertragschancen wahrnehmen will, der kommt an Aktien nicht vorbei“, hieß es in der Raiffeisen-Werbung. Es kam ganz anders. Die Aktienkurse brachen infolge der Finanzkrise ein. Der Fonds räumte seine Aktien vollständig aus dem Portfolio und holte stattdessen Anleihen herein.

Das sollte nicht nur eine vorübergehende Maßnahme bleiben. Der Aktienhandel wird unabhängig von der wirtschaftlichen Entwicklung bis zum Ende der Laufzeit im Jahr 2014 ausgesetzt. „Der Garantiegeber ist die Deutsche Bank – und die hat diese Anlagestrategie angeordnet“, sagt RCM-Sprecherin Monika Riedel. Das war nachweislich keine kluge Strategie, wie man am aktuellen Börsenboom erkennen kann. Ohne Aktien wird es für den Fonds schwer, den Anlegern bis 2014 ordentliche Erträge präsentieren zu können. Aus diesem Grund hat der Berater einer niederösterreichischen Raiffeisenbank einem Kunden bereits empfohlen, den Fonds zu verkaufen (das Dokument liegt der „Presse“ vor, siehe Faksimile, Anm.). Nur: Der Wert des Fonds ist um zehn Prozent eingebrochen. Der Verlierer ist der Anleger:
•Folgt er dem Rat seines Raiffeisen-Beraters, erleidet er satte Kursverluste. Und dafür hat er ordentliche Spesen zahlen müssen. Für die Ausgabe verlangt die RCM einen Aufschlag von vier Prozent. Bei einem exemplarischen Kapital von 20.000 Euro sind das immerhin 800 Euro. Außerdem sind laufende Verwaltungsgebühren angefallen. Damit hätte der Kunde einen Verlust von etwa 2800 Euro gemacht.
•Hält der Kunde aber an dem Fonds fest, kann es sein, dass er im Jahr 2014 nur die 20.000 Euro ausbezahlt bekommt. Rechnet man mit einer moderaten durchschnittlichen Inflation von zwei Prozent, ist das Geld bis dahin weniger als 17.500 Euro wert. Den Ausgabeaufschlag von 800 Euro bekommt er nicht zurück. Der Verlust in diesem Fall: mehr als 3.000 Euro.

Die RCM hat mittlerweile den „Raiffeisen-Eurasien-Garantiefonds 09“ auf den Markt gebracht. Der investiert sehr wohl in Aktien. Und zwar in China, Indien et cetera.

AUF EINEN BLICK

Garantieprodukte erleben derzeit einen Boom. Die Anleger wollen, dass ihr Kapital abgesichert ist. Dabei kann man auch ordentliche Verluste erleiden, wie ein Anleger der Raiffeisen Capital Management vorwirft.

Der Raiffeisen-Berater hat sich bei seinem Kunden für den empfohlenen Raiffeisen-Garantiefonds entschuldigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2009)

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