Das Unternehmen bestätigt die Durchsuchung von zwei Moskauer Büros.
Wien/Moskau (red.). Die Strabag bestätigte gestern, Donnerstag, dass zwei ihrer russischen Büros sowie zwei Baustellen durchsucht und einige Dokumente beschlagnahmt wurden. Das österreichische Bauunternehmen reagierte damit auf einen am Mittwoch in der russischen Tageszeitung „Kommersant“ erschienenen Bericht. Demnach hätten etwa 50 Mitarbeiter der russischen Steuerpolizei des Innenministeriums und der Ermittlungsbehörde der Staatsanwaltschaft am Dienstag vier Strabag-Bürogebäude in Moskau durchwühlt.
Der Hintergrund der Hausdurchsuchungen ist ein Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung, in dem es um 108 Mio. Rubel (2,47 Mio. Euro) geht. Laut der Strabag-Vertretung in Russland richten sich die Ansprüche der Steuerbehörden gegen vom Unternehmen eingesetzte Subunternehmer, die ihre Steuern nicht bezahlt hätten. Strabag habe nichts davon gewusst, dass die betreffenden Firmen keine Steuer abführten, verteidigt sich der Konzern.
„Weder Büros noch Mitarbeiter“
Die Ermittler allerdings haben ihre Zweifel daran, dass es sich bei den Subunternehmen um echte Firmen handelt. Sie wiesen laut den Ermittlern „Anzeichen von Fiktion“ auf. Sie hätten weder Büros noch fixe Mitarbeiter gehabt und offenbar keine Arbeiten durchgeführt.
Von „Scheinfirmen ohne Wirtschaftstätigkeit“ will die Strabag nichts wissen: Alle erforderlichen Dokumente, die den offiziellen Rechtsstatus dieser Subunternehmer bestätigten, seien der Strabag vorgelegt worden.
Die Strabag habe nach Aufforderung der Behörden die ausständigen Steuern der Subunternehmer samt Strafzahlungen von 108 Mio. Rubel beglichen, heißt es aus dem Konzern. Das Unternehmen hat allerdings Klage eingelegt und die Summe zurückgefordert. Die Rückforderung sei laut „Kommersant“ in erster Instanz abgewiesen worden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.10.2009)