Putin: Aleppo-Eroberung "größte Rettungsaktion der Neuzeit"

Syrische Soldaten in Aleppo.
Syrische Soldaten in Aleppo.APA/AFP/GEORGE OURFALIAN

Russlands Präsident lobt die Offensive auf Aleppo mit Tausenden Vertriebenen und Hunderten Toten. Der Krieg in Syrien verlagert sich auf die Stadt Al-Bab.

Russland will die Nachkriegsordnung für Syrien mit den USA abstimmen. Zwar sei die neue Dreierkooperation Moskaus mit Ankara und Teheran im syrischen Krieg hilfreich, sagte Präsident Wladimir Putin bei seiner Jahrespressekonferenz in Moskau. "Aber es wäre nicht richtig, solche Fragen ohne die USA zu entscheiden."

In Syrien unterstützen die russische Luftwaffe und iranische Milizen den Präsidenten Bashar al-Assad und beherrschen militärisch die Lage am Boden. Beim Abzug der letzten Oppositionskämpfer aus Aleppo spielte die Türkei als Vermittler eine Rolle. Die drei Länder berieten in dieser Woche in Moskau erstmals gemeinsam.

Putin stellte die Rückeroberung Aleppos, die vom Westen wegen der vielen zivilen Opfer kritisiert wurde, ganz anders dar: "Das war die größte, ich will das betonen, damit es alle hören, das war die größte humanitäre internationale Rettungsaktion der Neuzeit." 100.000 Menschen seien aus der jahrelang umkämpften Stadt gebracht worden. Syrien brauche jetzt überall im Land Waffenstillstände, auf denen dann eine politische Lösung aufbauen könne, sagte der Kremlchef.

Kämpfe verlagern sich auf Al-Bab

Nach dem Sieg syrischer Regierungstruppen in der langen Schlacht um Aleppo konzentriert sich das Kampfgeschehen im Land zunehmend auf die nahe Islamisten-Hochburg Al-Bab. Dort unterstützen türkische Truppen syrische Milizen bei einer Offensive gegen das von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ausgerufene "Kalifat".

Bei türkischen Luftangriffen auf Al-Bab wurden Menschenrechtlern zufolge seit Donnerstag mindestens 88 Zivilisten getötet. 72 Menschen seien bei den heftigen Bombardements am Donnerstag umgekommen, weitere 16 am Freitag, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Unter den Getöteten seien 24 Kinder. Al-Bab sichert den Weg zur Verwaltungszentrale des IS-Kalifats, Al-Rakka.

Nach türkischen Angaben wurden in der Region Al-Bab 22 IS-Kämpfer "neutralisiert". Bei Angriffen auf den IS seien 37 Gebäude in Al-Bab zerstört worden, darunter Militärunterkünfte, Waffenlager und ein Logistikzentrum. Angaben zu zivilen Opfern machte die Türkei nicht. Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Donnerstag von fast 200 getöteten IS-Kämpfern bei den Gefechten um Al-Bab gesprochen.

Kampf gegen den IS

Die Türkei hatte im August mit Bodentruppen in den Syrienkrieg eingegriffen und an der Seite sunnitischer Rebellen den IS im türkisch-syrischen Grenzgebiet zurückgedrängt. Seitdem sind mindestens 37 türkische Soldaten gefallen. Außerdem wurden seit November zwei Soldaten vermisst. Ein am Donnerstag verbreitetes IS-Video soll zeigen, wie die beiden gefesselten Soldaten von IS-Kämpfern bei lebendigem Leibe verbrannt werden.

Als nächstes Etappenziel hat Ankara die Eroberung Al-Babs ausgegeben. Die von den USA geführte internationale Allianz bombardiert ebenfalls IS-Stellungen in Syrien. Die Türkei bekämpft in Nordsyrien zugleich die Kurdenmiliz YPG, die mit der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK verbunden ist.

Al-Bab ist nur 44 Kilometer von Aleppo entfernt. Dort waren am Donnerstagabend die letzten sunnitischen Rebellen abgezogen und in Rebellengebiete im Westen der Wirtschaftsmetropole gebracht worden. Am Freitag durchkämmten syrische Regierungstruppen und verbündete Schiitenmilizen die vorherigen Rebellenviertel der Stadt nach Sprengsätzen. Sie entschärften unter anderem Landminen, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Aus dem Rebellengebiet wurden einige Granaten auf die Stadt abgefeuert.

Assad würdigt Verbündete

Der syrische Präsident Bashar al-Assad wertete den Sieg in Aleppo nach vier Kriegsjahren auch als Sieg seiner Verbündeten Russland und Iran. Er gestand praktisch ein, dass die erschöpften syrischen Truppen alleine nicht in der Lage wären, die verlorenen Gebiete zurückzuerobern. Das Land ist weiter in Herrschaftsgebiete der Regierung, der Kurden, diverser Rebellen und des IS geteilt. Auch in Aleppo sind einige nördliche Stadtteile in Kurdenhand.

Die Wende in Aleppo kam über eine Abstimmung Russlands und des Irans mit der Türkei zustande, die die Rebellen bisher unterstützt. Die USA und die EU-Staaten waren daran nicht beteiligt.

(APA/dpa)