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Herta Müller sieht sich als Heimatlose

Herta Müller erhält den Nobelpreis für Literatur
(c) AP (Michael Sohn)

In Rumänien se sie ausgeschlossen worden, in Deutschland "nicht in eine Heimat gekommen", sagt die Nobelpreisträgerin. An ihrem Geburtsland übt sie scharfe Kritik.

Sie stammt aus Rumänien, lebt in Berlin und hat den Nobelpreis laut Komitee für Deutschland gewonnen: Herta Müller. Die Schriftstellerin selbst sieht sich immer noch als Heimatlose. "Meine Landsleute haben mich ausgeschlossen, schon exkommuniziert nach dem Buch "Niederungen" in den frühen 80er Jahren, und dann kam das ganze Gezerre mit dem Geheimdienst und der Diktatur", sagte Müller in einem Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag-Ausgabe). "Dann kam ich hier an, und ich bin natürlich nicht in eine Heimat gekommen. Ich lebe hier, aber hier bin ich nicht zu Hause, weil ich nicht von hier komme - und dort war ich nicht zu Hause, weil ich von dort komme, weil ich nicht dazugehörte."

Trotzdem sieht sie sich als deutsche Schriftstellerin, weil sie auf Deutsch schreibt, so die Nobelpreisträgerin bei einer Pressekonferenz am Donnerstagabend in Berlin. "Die deutsche Sprache schreibt auch immer mit." Rumänisch habe sie erst mit 15 Jahren gelernt. "Insofern weiß ich nicht, was ich bin. Etwas von allem oder nichts von beidem."

"Geheimdienst zeigt mir, dass es ihn gibt"

In ihrem Werk habe sie sich stets mit der Diktatur ihres Heimatlandes beschäftigt und wie es zu dieser Diktatur habe kommen können. "Ich glaube nicht, dass ich noch verfolgt werde, aber wenn ich in Rumänien bin, zeigt mir der Geheimdienst, dass es ihn noch gibt", sagte sie. "Ob sich das jetzt ändert, weiß ich nicht. Auch nicht, warum ich noch für den Geheimdienst interessant bin."

Sie sei "jeden Tag froh" gewesen, nachdem sie aus Rumänien ausgereist sei, so Müller in der "Süddeutschen Zeitung". Denn sie habe ja gewusst, warum sie weggegangen sei. "Ich bin viel zu spät gegangen, weil ich dann schon viel zu lange kaputtgemacht worden war", sagte die Autorin. "Ich werde ja in Rumänien nicht besonders gemocht, die Bücher vielleicht, aber ich als Person werde nicht gemocht, weil ich immer noch einige Dinge über Rumänien sage, die man sagen muss. Dass es keine Demokratie ist und dass die Korruption allgegenwärtig ist, dass der neue Geheimdienst den alten verlängert oder nur zu einem geringen Teil ein neuer ist."

Es habe in Rumänien auch keine Revolution gegeben, "das hört man in Rumänien auch nicht gerne", erklärte Müller. "Und dann kommen natürlich immer diese Bemerkungen, dass ich davon nichts mehr verstehe, ich sei ja weg und ich hätte das Maul zu halten."

(Ag./ Red.)