Gibt es noch Rettung für Stefanel?

Das norditalienische Modehaus kämpft mit der Konkurrenz internationaler Ketten und den Folgen der Krise. [
Das norditalienische Modehaus kämpft mit der Konkurrenz internationaler Ketten und den Folgen der Krise. [(c) SPA/Chrom Orange/picturedesk.com
  • Drucken

Trotz tief greifender Einschnitte machte Stefanel seit 2007 rund 175 Millionen Euro Verlust. Neue Kapitalgeber und ein gerichtlicher Gläubigerschutz sollen den Familienkonzern retten.

Das Modehaus Stefanel galt neben Firmen wie Benetton lang als Aushängeschild der norditalienischen Region Veneto und ihrer prosperierenden Modeindustrie. Heute kämpft das an der Mailänder Börse gelistete Familienunternehmen ums Überleben. Im ersten Halbjahr 2016 wies es in seiner Bilanz einen Verlust in Höhe von 13 Mio. Euro und ein negatives Eigenkapital von elf Mio Euro aus.

Die Geschäftsführung zog Anfang November die Reißleine: Sie beantragte den gerichtlichen Gläubigerschutz, um vorläufig vor ihren Banken in Sicherheit zu sein. Diese hatten mittlerweile Kreditforderungen in Höhe von 85 Mio. Euro gegen sie angesammelt.

Zugleich wandte sich Firmenchef Guiseppe Stefanel nach jahrelangen Bemühungen, die lahmenden Umsätze durch einschneidende Umstrukturierungen im Konzernnetz wieder anzuheben, an Hilfe von außen. Ende November schien mit Unterstützung der Rothschild Bank ein kleiner Etappensieg geglückt: Die britische Finanzgruppe Attestor und der in Italien und Portugal aktive Private-Equity-Fonds Oxy konnten für das Finanzierungsprojekt gewonnen werden und sollen laut italienischen Medien ein unverbindliches Übernahmeangebote gelegt haben. Sollte aber kein Deal zustande kommen und die benötigte Geldspritze ausbleiben, scheint die bislang erfolgreich hinausgeschobene Insolvenz unvermeidlich zu sein.

Die Zeit drängt

Und die Zeit drängt: Das Gericht in Treviso billigte dem Unternehmen laut der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ vier Monate zu, um entweder ein definitives Sanierungsprogramm auf die Beine zu stellen oder eine Einigung über eine Schuldenumschichtung mit den Gläubigern zu erzielen.

Die italienische Wirtschaftskrise hat in den vergangenen Jahren ihren Tribut gefordert. Sie verstärkte die Absatzflaute, mit der das Unternehmen seit 2002 immer stärker durch die wachsende Konkurrenz von Zara, H&M und Co. kämpfte.

Seit 2007 sind die Verluste der Firma laut der Regionalzeitung „Oggi Treviso“ auf rund 175 Mio. Euro angewachsen – einzig 2011 habe Stefanel noch Gewinne geschrieben. Die dringend nötige Trendwende blieb auch im laufenden Jahr bisher aus. In der ersten Jahreshälfte fielen die Umsätze von 77 auf 67 Mio. Euro. Personalkürzungen, Shopschließungen und eine Neuausrichtung nach Osteuropa halfen ebenso wenig wie der Verkauf der deutschen Kaufhauskette Hallhuber für 25 Mio. Euro im Jahr 2009. Dennoch fuhr das Unternehmen danach weiter die Strategie, sich auf das Kerngeschäft zu besinnen, und gab 2010 seinen Anteil am weltweit größten Duty-Free-Betreiber, Nuance, für 106 Mio. Euro ab. Während es um die Jahrtausendwende noch rund 1000 Stefanel-Stores betrieb, lag ihre Zahl 2013 bei rund 400. Die Stefanel-Aktie zeichnet diesen Abwärtstrend nach, aus dem sich die Firma trotz aller Bemühungen in den vergangenen Jahren nicht befreien konnte. Seit 2006 fiel der Aktienkurs um beinahe 99 Prozent. Zurzeit liegt er bei elf Cent pro Stück. (loan)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.12.2016)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.