Nach langem vergeblichem Lauschen auf Signale von Aliens will man jetzt den Spieß umdrehen. Nicht alle halten das für eine gute Idee: Stephen Hawking etwa fürchtet – bei Erfolg – eine Invasion.
Vor fast 40 Jahren hätte beinahe der außergewöhnlichste Moment in der Geschichte der Menschheit geschlagen: Der Astrophysiker Jerry Ehman vernahm am Radioteleskop Big Ear der Ohio State University aus den Tiefen des Alls etwas so Seltsames, dass er „Wow!“ notierte: Das Signal sah so aus, als habe es keine natürliche Ursache, sondern sei der erste Hinweis auf außerirdische Intelligenz.
Es war auch der letzte. Obwohl die Organisation Seti – Search for Extraterrestrial Intelligence – mit immer feineren Ohren lauschte, war nichts zu vernehmen, nur die „New York Post“ hat gerade wieder von möglichen Signalen von Aliens berichtet, aber in diesem Blatt stehen oft die wunderlichsten Dinge. Seti muss also weiter lauschen, aber manchen Mitarbeitern geht die Geduld aus. Sie wollen nicht länger darauf warten, dass irgendwer sich meldet, sie wollen selbst initiativ werden, Grüße ins All schicken, mit Laser oder Radiowellen.
Ganz neu ist die Idee nicht: An Bord der Raumsonden Pioneer 10 und 11, die 1972 bzw. 1973 starteten, waren vergoldete Plaketten, auf ihnen wurde vieles vorgezeigt, ein Wasserstoffatom etwa oder ein nacktes Menschenpaar. Ob die irgendjemand zu Gesicht bekam, ist unklar, zwar flogen die Sonden weit, aber nicht rasch. Deshalb wollte es die Nasa in den 70er-Jahren im Projekt Cyclopos mit Radiowellen versuchen, aber das Projekt war eine Totgeburt, es fand sich kein Geld.
Erstes Ziel: Proxima Centauri b
Das ist auch beim jetzigen Anlauf das Problem. Aber der Name ist schon da – Meti, Messaging Extraterrestrial Intelligence –, ein Chef auch, Douglas Vakoch, er war früher bei Seti. Senden will Meti zunächst Ende 2018 Richtung Proxima Centauri b. Das ist ein Exoplanet im Nachbarsonnensystem des unseren, nur 4,25 Lichtjahre weg und der Erde ähnlich, gesichtet wurde er im August.
Aber ob je dort oder sonstwohin gesendet wird, muss sich weisen, bisher machen vor allem die Gegner des Projekts von sich reden, an der Spitze Stephen Hawking: Der will lieber nicht so laut auf die Erde aufmerksam machen, er fürchtet, den Menschen könne es sonst so ergehen, wie es den Ureinwohnern Amerikas ergangen ist. Diese Sorge teilen viele, etwa der US-Physiker Mark Buchanan: Er überschrieb seine Kritik an der aktiven Suche nach Aliens so: „Searching for trouble?“
Das stand nicht irgendwo, sondern in Nature Physics – die Community nimmt die Pläne also ernst –, dort durfte Vakoch auch replizieren (12.10.): „Das Risiko einer Invasion durch Aliens ist schlicht nicht plausibel. Jede Zivilisation, die ein wenig fortgeschrittener ist als unsere, hätte uns bereits entdeckt, an ganz unabsichtlich ins All gelangten Radiowellen, etwa denen von BBC.“
(Print-Ausgabe, 29.12.2016)