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Dodik, Trump und eine angebliche Einladung

BOSNIA-POLITICS-SERBS
Milorad DodikAPA/AFP/ELVIS BARUKCIC
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Milorad Dodik will zu Amtseinführung Trumps geladen sein. Aber er erhält kein Diplomatenvisum.

Belgrad/Banja Luka. Eine vermeintliche Einladung aus dem fernen Washington beschäftigt in Bosnien die Gemüter. Milorad Dodik, Präsident des Landesteiles Republika Srpska (RS), behauptet fest, von Donald Trumps Team zur Amtseinführung des neuen US-Präsidenten eingeladen worden zu sein. Doch es gibt daran Zweifel. Der bosnisch-serbische Politiker habe keine offizielle Einladung der US-Regierung erhalten, sondern den Medien nur die Einladung zu der Veranstaltung eines von ihm bezahlten Lobbyisten in einem Hotel in Washington präsentiert, behauptet Bosniens Außenminister, Igor Crnadak.

Bislang hatte der geschäftstüchtige Strippenzieher Dodik in dem labilen Vielvölkerstaat als ein Mann Moskaus gegolten: Wie die EU hatten auch die USA dem nationalistischen Poltergeist bisher stets seine sezessionistischen Neigungen vorgeworfen und ihn als eines der größten Hindernisse für Bosniens EU-Annäherung kritisiert. Die Spekulationen über einen Kurswechsel in der Balkan-Politik Washingtons erwiesen sich zumindest vorläufig auch als voreilig: Die US-Botschaft in Sarajewo lehnte die Ausgabe eines Diplomatenvisums für Dodik in dieser Woche kurzerhand ab, da er nicht als Vertreter von Bosnien und Herzegowina zu den Feierlichkeiten nach Washington fahre.

Die US-Botschafterin in Sarajewo werde ohnehin bald ihre „Koffer packen“ müssen, schäumte der serbische Politiker, der sich nun um ein gewöhnliches US-Visum bemühen will. Presseberichten, wonach Dodik nur eine Eintrittskarte zu einem Ball unter Schirmherrschaft des neuen US-Präsidenten erworben habe, tritt derweil Obrad Kesić, der Chef der ständigen Vertretung der Republika Srpska in Washington, entgegen: Außer den Botschaftern aller in den USA vertretenen Staaten seien rund 20 Persönlichkeiten aus der internationalen Gemeinschaft eingeladen worden, mit denen das Team um Trump „bessere Beziehungen“ schaffen wolle, darunter der britische EU-Gegner Nigel Farage – und Milorad Dodik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.12.2016)