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Sheehan: "Präsident Bush ist ein Terrorist"

Cindy Sheehan, Symbol der Friedensbewegung, übt im Interview scharfe Kritik an der US-Regierung.

Die Presse: Was fällt Ihnen denn spontan zu Wien ein?

Cindy Sheehan: Wiener Würstchen (Hot-Dogs werden in den USA unter dem Namen "Vienna Sausage" verkauft, Anm.). Ich weiß nicht viel über Ihre politischen Verhältnisse. Mir geht es darum, die Menschen gegen den Irak-Krieg zu einen.

Das scheint im Ausland noch immer leichter zu sein als in den Vereinigten Staaten.

Sheehan: Man mag George Bush bei uns auch nicht, aber seine Beliebtheitswerte im Rest der Welt sind vermutlich einstellig. Überall, wo ich in Europa war, gibt es eine sehr starke Anti-Bush-Bewegung. Das ist keine Anti-Amerika-Stimmung, sondern es geht um Bush. Die Europäer sind viel besser über die Politik in unserem Land informiert als viele Amerikaner.

In den USA scheint zum Irak jene breite Friedensbewegung zu fehlen, die wesentlich zum Ende des Vietnam-Kriegs beigetragen hat.

Sheehan: Der Irak-Krieg steht erst am Anfang. Die Stimmung gegen Vietnam wurde erst wirklich massiv, als wir eine Zahl von 10.000 Toten erreichten. Wir sind früher gegen den Irak-Krieg aufgestanden, und diese Bewegung ist auch aktiver.

Was glauben Sie denn, warum Bush den Krieg gegen den Irak begonnen hat?

Sheehan: Um an die Bodenschätze, vor allem das Öl, heranzukommen. Um die amerikanische Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten und die Firmen reich zu machen.

Das oft genannte hehre Ziel, man habe das irakische Volk von einem Diktator befreien wollen, glauben Sie nicht?

Sheehan: Wie viele unschuldige Menschen haben denn Bush und seine Administration getötet? Man hat nur einen Unterdrücker durch einen anderen ersetzt.

Sie sehen die USA im Irak als Unterdrücker?

Sheehan: Absolut. 100.000 Irakis sind grundlos gestorben, nur um die Taschen von George Bush und seinen Kumpanen zu füllen. Ich glaube, die USA sind absolut ein Unterdrücker-Regime. Menschen aus dem Irak haben mir gesagt, früher sei man zwar unterdrückt worden, aber dafür hatte man zumindest Strom und sauberes Wasser, und es war sicher auf den Straßen.

Wenn die USA Unterdrücker sind, wie würden Sie dann George Bush definieren?

Sheehan: Osama bin Laden ist ein Terrorist, weil er unschuldige Männer, Frauen und Kinder getötet hat. Wir haben tragischerweise 3000 Mitbürger am 11. September verloren. George Bush hat 30mal mehr Menschen getötet. Er ist ein Terrorist nach seiner eigenen Definition, dass ein Terrorist Unschuldige tötet. Die Menschen im Irak waren keine Bedrohung, sie wollten den USA nichts Böses, aber Bush ist trotzdem in dem Land einmarschiert. Er wusste, dass es keine Massenvernichtungswaffen gab und keine Verbindung zwischen Saddam und den Anschlägen vom 11. September.

Die Friedensbewegung fordert einen Abzug aller US-Truppen aus dem Irak. Das würde nach Meinung vieler das Land in völliges Chaos und in einen Bürgerkrieg stürzen.

Sheehan: Das Land ist bereits im Chaos. Manche Militärexperten meinen auch, dass das Gegenteil passiert, dass die Anschläge nachlassen, weil unsere Anwesenheit den Aufruhr schürt.

Was muss Ihrer Meinung nach passieren, damit der US-Einsatz beendet wird?

Sheehan: Wir brauchen einen neuen Präsidenten. Bush muss aus dem Amt, und er muss zur Verantwortung gezogen werden für den Tod und die Zerstörung, die er verursacht hat.

Also ein Amtsenthebungsverfahren?

Sheehan: Zumindest eine Anhörung. Sie haben 85 Millionen Dollar ausgegeben, um gegen Bill Clinton zu ermitteln. Ich glaube nicht, dass das, was Bill Clinton getan hat, auch nur annähernd so schlimm ist wie das, was Bush getan hat.

Sie sind von einer trauernden Mutter, deren Sohn im Irak gefallen ist, zum weltweiten Anti-Kriegs-Symbol geworden. Fühlen Sie sich wohl in dieser Rolle?

Sheehan: Ich fühle mich insofern wohl, als ich mein Ziel nicht aus den Augen verliere, nämlich unsere Soldaten nach Hause zu bringen.

Hilft Ihnen dieser Einsatz, den Verlust Ihres Sohnes zu bewältigen?

Sheehan: Das ist schwer zu sagen. Ich fühle mich jeden Tag stärker. Ich habe keinen Hass und keine Bitterkeit in mir. Aber ich glaube, dass ich für den Rest meines Lebens eine trauernde Mutter sein werde.


Zu Gast in Wien

Cindy Sheehan reist um die ganze Welt, um die Menschen gegen den Irak-Krieg zu einen. Unter diesem Motto steht auch ihr Wien-Besuch. Am kommenden Montag wird sie an einer Podiumsdiskussion, u. a. mit SPÖ-Chef Gusenbauer, zum Thema "Bush's War" teilnehmen: "The Erosion of Human and Citizen Rights in the Name of Fighting Terrorism." Palais Ferstel, 19.30 Uhr, Anmeldung erforderlich: 8046501 oder post@renner-institut.at.