TV, Radio, Print, Web

Ob on- oder offline: Die Zukunft der Medien ist jedenfalls nicht in Messehallen zu finden.

Können Sie sich vorstellen, für diese Kolumne extra zu bezahlen? Sagen wir mal: 20 Cent. Das ist leistbar. Oder nur für diese Kolumne zu bezahlen, den Leitartikel und die Sportseiten, keinesfalls aber für die Society- und Innenpolitikberichte. Weil Sie das nicht die Bohne interessiert. Oder – falls Sie Geiz so geil finden, wie uns ein penetranter Werbespruch seit Jahren suggeriert – würden Sie es akzeptieren, wenn ich diesen Text von Markenartiklern und Sponsoren (mit)finanzieren ließe, eventuell zuungusten kritischer Berichterstattung? Dafür dürfen Sie das Papier gratis lesen. Wahlweise, à la longue wohl auch realistischer, Ihrem Drucker entnehmen. Oder via Monitor oder Mobile Reader einen von Werbebannern weitgehend unbeeinträchtigten Blick auf Sätze werfen.

Absurd? Das sind Szenarios, wie sie von Fachleuten und Zaungästen diese Woche bei den „Österreichischen Medientagen“ in Wien diskutiert wurden. Ich muss gestehen, ich habe mir das Eintrittsgeld erspart, da ich es leid bin, den ewig gleichen Protagonisten der engen heimischen Medien-, Werbe- und Mobilfunkszene beim Karussellfahren auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten zuzusehen. Ersatzweise ließ ich mir dies und jenes, quasi live, von Journalistenkolleg(inn)en via Twitter erzählen. Und was sie erzählten, klang nicht selten zynisch. „Hausaufgabe: endlich dieses Internet Probe lesen.“ Oder: „Social Media macht Kunden und Werber nervös.“ Auch: „Für ein paar Jahre ist der Glamourfaktor jetzt mal weg.“ Warum erinnert mich das alles so sehr an die „PopKomm“, die Leitmesse der Musikbranche? Die gern von Journalisten geschmäht wurde, das Digitalzeitalter verpennt zu haben? Die „PopKomm“ hat übrigens anno 2009 das Zeitliche gesegnet.

Immerhin: Die „ORF TVThek“, das lang erwartete Onlinearchiv der größten heimischen Medienorgel, ist startklar. Und soll noch vor Jahresende etwa ein Drittel des Programms jeweils eine Woche lang abrufbar machen. Chapeau! Lautet der Kulturkampf der Gegenwart: Schlafmützen versus Webpropheten? Sparmeister gegen Zukunftsinvestoren? Besitzstandswahrer versus Risikomanager? Fiebrige Unmittelbarkeit kontra analytische Tiefe? Das p.t. Publikum geht mit dem Tohuwabohu jedenfalls pragmatisch um: Das Medium ist die Botschaft. Und der kurzweiligste, spannendste Inhalt immer da, wo man ihn findet.

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