Warum Silber die bessere Idee als Gold ist, Versicherungs-Blue-Chips Potenzial haben und Baidu weiter steigen könnte.
Die US-Berichtssaison für das vierte Quartal hat erwartungsgemäß gut begonnen. Wenn das halbwegs so bleibt, dann könnte sich die überraschend robuste, wenngleich seit dem Sommer mehrfach totgesagte Aktienrallye durchaus noch zu einem schönen Jahresendaufschwung hinreißen lassen – und vielleicht sogar ins nächste Jahr hinein dauern.
Trotzdem scheinen die Anleger noch von Ängsten geplagt zu sein. Anders ist der rasante Anstieg des Goldpreises auf zuletzt deutlich über 1000 Dollar je Feinunze nicht zu erklären. Und dieser Anstieg spiegelt sich durchaus auch in den Umsätzen der Edelmetallhändler mit Privaten wider: Bei der Schoeller Münzhandel GmbH, einer Tochter der Münze Österreich, beispielsweise ist heuer schon im ersten Halbjahr der gesamte Vorjahresumsatz übertroffen worden.
Aber hat es noch Sinn, auf diesem Niveau Münzen und Barren zu hamstern? Vom Renditestandpunkt aus sicher nicht. Denn Gold verursacht vergleichsweise hohe Kauf- und Lagerspesen und notiert noch dazu im schwächlichen Dollar, was den Anlageerfolg für Euroanleger noch einmal relativiert. Wer aber nicht auf die flotte Rendite aus ist, sondern für mögliche kommende Zeiten hoher Inflation ein bisschen wirklich harte Währung im Depot haben möchte, kann schon ein paar Prozent seines Vermögens im Edelmetall veranlagen. In vernünftigen Stückelungen, denn ein Kilobarren ist in Krisenzeiten kein wirklich praktisches Tauschmittel.
Allerdings, so meinen die beiden Chefs von Schoeller Münzhandel, Gustav Mayer und Gernot Maier, könnte man sich für diesen Fall auch Silbernäher anschauen. Das Edelmetall steht ein bisschen im Schatten des glänzenden Goldes und ist diesem gegenüber klar unterbewertet. Hat also größeres Aufholpotenzial. In jüngster Zeit hat sich Silber mit dem Gold nach oben bewegt – aber bereits deutlich stärker.
Wer aber am derzeitigen Goldboom renditemäßig mitnaschen möchte, der kommt an „Papiergold“ nicht vorbei. Etwa an Minenaktien. Die „Presse am Sonntag“-Empfehlung Rubicon Minerals(ISIN CA7809111031) beispielsweise ist in den vergangenen Wochen schnurgerade nach oben gezogen. Und solange der Goldpreis auf diesem Niveau verharrt, wird das auch so bleiben. Da kann man – mit den üblichen Vorsichtsmaßnahmen wie Verlustbegrenzung durch Stop-Loss – in das Papier des im kanadischen Vancouver angesiedelten Minenkonzerns durchaus noch einsteigen. Potenzial trauen Analysten auch der ebenfalls kanadischen Kinnross Gold(ISIN CA4969024047) zu. Wenngleich dieses Papier derzeit mit einem KGV von fast 40 relativ teuer zu sein scheint.
Derzeit kommen aber auch weniger exotische Blue Chips ordentlich in die Gänge. Beispielsweise das Papier des deutschen Versicherungskonzerns Allianz(ISIN DE0008404005). Der hat ganz offensichtlich vom Wahlausgang in Deutschland profitiert. Und wohl auch von der vergleichsweise schnellen Überwindung der Rezession. Versicherungen dürften zumindest hierzulande nicht mehr in allzu große Probleme schlittern (vorausgesetzt natürlich, es kommt nicht zur immer noch von einigen Analysten befürchteten „Double-Dip-Rezession“).
Der Kurs des deutschen Versicherungskonzerns bewegt sich jedenfalls schon seit dem Sommer in einem schön ausgeprägten Aufwärtskanal nach oben. In der vergangenen Woche haben auch die Analysten der Großbanken ihre Liebe zur Versicherungsaktie entdeckt. UBS beispielsweise hat eine Kaufempfehlung mit dem Kursziel 96 Euro versehen, die Deutsche Bank hat eine Kaufempfehlung mit dem Ziel 105 Euro abgegeben, und die britische HSBC hält sogar 110 Euro für wahrscheinlich. Das gibt doch einiges Potenzial vom derzeitigen Kursniveau von rund 87 Euro. Die Begründung lautet durchgehend, dass Versicherer von der Konjunkturerholung schneller als andere Branchen profitieren werden. Für Anleger, die hier zuschlagen, heißt das freilich auch, das konjunkturelle Umfeld im Auge zu behalten. Denn sollten – wonach es derzeit allerdings nicht ausschaut – stärkere konjunkturelle Rückschläge eintreten, dann gilt diese Dynamik natürlich auch wieder in die Gegenrichtung.
Überraschend gut entwickeln sich mit der Konjunktur offenbar auch die Internetwerbeeinnahmen der großen Suchmaschinen. Das hat beispielsweise der „Presse am Sonntag“-Empfehlung Google(ISIN US38259P5089) zuletzt deutlich Flügel verliehen. Am stärksten unterwegs ist in diesem Segment aber wohl die in den USA börsenotierte chinesische Suchmaschine Baidu(ISIN US0567521085). Deren Kurs ist seit dem Frühjahr beeindruckend geradlinig von 100 auf zuletzt etwas über 400 Dollar hochgezogen – und stößt noch nicht an der Decke an.
Baidu hat auf dem Gebiet Internetwerbung einen entscheidenden Startvorteil: den riesigen und schnell wachsenden chinesischen Markt. Wer Internetwerbung im Reich der Mitte schalten will, kommt am Suchmaschinenplatzhirschen kaum vorbei.
Es soll allerdings auch nicht verschwiegen werden, dass es enorme Risken gibt: Nach einer Vervierfachung des Aktienkurses innerhalb weniger Monate können selbst leicht negative Meldungen sehr schnell enorme kurzfristige Kursrückschläge auslösen. Und das KGV ist mit 46 schon recht hoch, wenn man in Rechnung stellt, dass Weltmarktführer Google mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als 20 unterwegs – und damit praktisch um die Hälfte billiger – ist.
Wenn allerdings die nächsten Nachrichten gut sind und das ambitionierte Ziel (mehr als 40 Prozent Gewinnsteigerung im kommenden Jahr) erreicht wird – dann kann die Chinesen-Suchmaschine durchaus noch ordentlich nach oben marschieren.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2009)