Was machen Sprayer eigentlich, wenn sie erwachsen werden? Ganz legale Kunst. Mandarina Brausewetter stellt bis 19.11. "Godzilla!" in der Street Art Passage aus.
Schnelle Bilder, dringende Botschaften, plakativer Protest – damit ist Mandarina Brausewetter bekannt geworden. Seit 2001 verbreitete die gebürtige Bulgarin ihr Schablonengraffiti in der Stadt, ließ „Mich schickt der Himmel“-Hubschrauber auf Hauswänden fliegen und die Madonna mit Gasmaske posieren. Brausewetter, die als erste Sprayerin Wiens gilt und schon mit Bansky durch die Nacht zog, arbeitete stets illegal, Adrenalin im Blut, Wut im Bauch. Gegen den Krieg in Jugoslawien, im Irak, gegen so einiges.
Inzwischen ist der Zorn aus der Spraydose verraucht: „Man wird auch älter“, sagt Brausewetter. Heute besprüht sie legal Leinwand, Holz oder die Metallplatten in der Street Art Passage im Museumsquartier, die ihr einjähriges Jubiläum feiert. Auch die Themen sind andere: Nicht mehr die Weltpolitik, sondern das Persönliche, die Rolle als Frau steht im Zentrum. Bei „Godzilla!“ stellt Brausewetter das Monster einer Frau mit hochgeschobenem Rock gegenüber. Was das bedeutet? Selber nachdenken, sagt sie. Statt wie früher eindeutige Slogans zu vermitteln, will sie zu individuellen Geschichten inspirieren. Ihre eigene in Wien begann 1990. Nach der Ostöffnung wollte die 24-Jährige, die Malerei und Industriedesign studiert hatte, „bloß weg“, fuhr nach Wien und blieb mit 30 Dollar Startkapital. Und obwohl Street Art heute kommerziell interessant ist und Brausewetter in Deutschland und Australien ausstellt (in Wien ab 24.10. in der Schleifmühlgasse 12–14), lebt sie doch von ihrem zweiten Steckenpferd – der Mode, dem Label und Shop „The Hot Dogs“. Wenn sie durch die Stadt geht, erzählt sie, schaue sie noch an die alten Plätze. „Aber es ist fast nichts mehr von mir da.“ Abgetragen, gestohlen? „Nein“, sagt sie nüchtern, „bloß übermalt“. Fabry
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2009)