Tennis: Linz und Peking, zwei ganz andere Welten

(c) EPA (Franck Robichon)
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Linz-Veranstalter Peter Michael Reichl nimmt Absagen gelassen und setzt auf Sybille Bammer. Diese will auch in Linz mit harten Returns ihr Können zeigen.

LINZ/WIEN. Die weltbesten Tennisspielerinnen waren in Linz schon zu bewundern. Justin Henin, Serena oder Venus Williams, Maria Scharapowa, Amelie Mauresmo und viele mehr – insgesamt schlugen zwölf Stars in Linz auf, rechnet Veranstalter Peter Michael Reichl stolz vor, „die Nummer eins der Welt waren oder wurden. Wir sind also nicht irgendein Turnier, sondern haben uns im Lauf der Jahre durchaus einen Namen gemacht.“ Heuer aber bekommt Reichl die volle Härte der neuen Planung der Damentour zu spüren. Viele Stars sagten ab, nicht einmal mit dicken Schecks konnten sie nach Österreich gelockt werden. Somit ist Sybille Bammer ab heute bei den Generali Ladies das Aushängeschild.

Natürlich sind Turniere wie Wien, Kitzbühel oder Linz im internationalen Tennis-Business bekannt und auch geschätzt, sagt Reichl. Doch angesichts der vielen Millionen, die im Lauf einer Saison weltweit ausgeschüttet werden, wären die Topstars der Szene bereits gut bedient. Und in diesen Dollar-Dimensionen habe Österreich „leider“, seufzt Reichl, an Bedeutung verloren. Ein Beispiel hat er schnell parat. Die Polin Agnieszka Radwanska verlor am Sonntag gegen die Russin Swetlana Kusnezowa das Finale in Peking, „einem Event mit über viereinhalb Millionen Dollar Dotation“. Sein seit 1991 ausgetragenes Traditionsturnier wurde nach der WTA-Reform auf 220.000 Dollar eingestuft. „Und dann kommt sie zu uns, das sind zwei ganz andere Welten.“

Ewig lebt der Traum vom Heimsieg

Ein weiteres Handicap ist die Jagd nach Punkten für das WTA-Masters. Manchmal wären noch viele Plätze offen, 2009 ist es nur noch einer. „Deshalb sagte kurzfristig auch Venus Williams ab“, so Reichl. „Sie braucht keine Punkte mehr.“ Da wären ihm als Veranstalter die Hände gebunden.

Trübsal blase er deshalb aber nicht. Schließlich wären mit Radwanska, der Belgierin Yanina Wickmayer, die mit dem Halbfinaleinzug bei den US Open überraschte, der Italienerin Flavia Penneta, der Slowakin Daniela Hantuchova und Sybille Bammer einige Topspielerinnen der Tour in Linz am Start. Und wer weiß, reibt sich Reichl still und heimlich die Hände, vielleicht erfüllt sich heuer sein großer Traum: dass erstmals eine Österreicherin ins Finale vorstößt, womöglich sogar gewinnt. „Theoretisch ist es machbar, Bammer hat das Potenzial. Sie wird ihre Rolle gut erfüllen.“ Bammer, die zum zehnten Mal bei Österreichs größtem Damenturnier antritt, trifft in Runde eins auf die Rumänin Alexandra Dulgheru.

„Von ihr weiß ich“, erklärte Bammer, „dass sie heuer das Turnier in Warschau aus der Qualifikation heraus gewonnen hat. Sie ist eine aufstrebende Spielerin mit starken Ergebnissen.“ Dass die 28-jährige Ottensheimerin im WTA-Ranking als 51. um acht Ränge vor der Rumänin liegt, zeige, dass die Aufgabe tatsächlich keineswegs auf die leichte Schulter zu nehmen sei. Sollte Bammer jedoch gewinnen, würde im Achtelfinale die Siegerin der Partie zwischen Wickmayer und Timea Bacsinszky (SUI) warten.

Leise Hoffnungen klammert Reichl auch an das Abschneiden von Patricia Mayr und Yvonne Meusburger. Meistern beide ihre Auftaktspiele, treffen sie im Achtelfinale aufeinander. Stimmt das Losglück, sollten auch Service und Return passen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2009)

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