In der Concordia ist jüngst über die Zukunft des Qualitätsjournalismus diskutiert worden.
Österreich sei diesbezüglich ein Schwellenland, meinen manche. Das stimmt natürlich nicht, wir haben – und ich darf die „Presse“ in erster Linie nennen – etliche Qualitätszeitungen in unserem Land. Freilich auch manche, die auf jene Laute hören, welche aus dem „Deep Throat“, kommen. Sie erinnern sich vielleicht, das war jener bis heute unbekannte Mann, der den Kollegen Bob Woodward und Carl Bernstein von der „Washington Post“ Details der berühmt-berüchtigten „Pentagon Papers“ lieferte. Die Folge: Richard Nixon trat zurück.
Aber Qualitätsjournalismus hat auch mit Qualitätspolitik zu tun. Und da befinden wir uns eindeutig noch jenseits der Schwelle. Von verschiedenen „Deep Throats“, made in Austria, ziehen sich Schleimspuren sogar bis ins Parlament. Schlag nach unter Pilz und Konsorten.
In der Zwischenkriegszeit hat ein gewisser Imre Békessy, Chefredakteur der übel beleumdeten „Stunde“, immer wieder seine Frau überrascht: „Kauf dir an Pelz, i waaß wos auf wen!“ Auch heute wird recht oft, allzu oft „wos auf wen“ gewusst, natürlich ohne die Konsequenzen, die Békessy lukrierte.
Konsequenzen freilich gibt es nach wie vor. Es sind solche, die den Stil der österreichischen Innenpolitik treffen. Die Ecken und Kanten, die da und dort gefordert werden, sind gefährlich. Immer häufiger stößt man sich an ihnen und trägt Verletzungen davon. Im Klartext: Selten noch hat es so wenig von dem gegeben, was man politische Kultur nennen könnte. Das Motto, nicht nur anno 2009: Wie intrigiere ich richtig?
Das Abservieren beispielsweise könnte in einem Edelbeisl gelernt worden sein. Edel? Eher in einer Kaschemme. Erinnern Sie sich, auf welche Weise Wolfgang Schüssel und seine Minister, vorzugsweise Ursula Plassnik, geschasst wurden? Wie Alfred Gusenbauer das Weite suchen musste? Wie Sascha Van der Bellen (vielleicht sogar willentlich) abgehalftert worden ist? Es gibt Leute, die aus den Medien erfahren, dass es sie nicht mehr geben wird. Wer waaß noch wos auf wen? Békessy, schau oba!
Also keine Hoffnung? Ich glaube trotzdem an eine Zukunft für für Qualitätspolitik cum Qualitätsjournalismus. Von mir aus mit Ecken und Kanten. Aber man muss aufpassen.
Der Autor war langjähriger Chefredakteur und Herausgeber der „Presse“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2009)