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Filmkomponist Harald Kloser: Unser Handwerker in Hollywood

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Harald Kloser lebt den amerikanischen Traum: Der Vorarlberger schreibt Filmmusik für Hollywood-Blockbuster – zuletzt für Roland Emmerichs neues Weltuntergangsepos „2012“.

Harald Kloser ist nervös. Der Filmkomponist rutscht auf seinem Stuhl hin und her, für ein Foto mag er nicht recht posieren, schon gar nicht sitzend vor einem Flügel. Gerade hat der Vorarlberger über seine Arbeit in Hollywood gesprochen – beim „International Film Music Symposium Vienna“ an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien an diesem Wochenende. Das Filmbeispiel, an dem der 53-Jährige seine Arbeit erläutert, ist zugleich Grund für seine angespannten Nerven: Roland Emmerichs neues Weltuntergangsepos „2012“.

Kloser selbst war als Komponist, Koautor und Koproduzent beteiligt. Im November kommt der Film in die Kinos, die ersten Kritiker sehen ihn just an jenem Samstag, an dem der Filmkomponist in Wien seinen Vortrag hält. Ein bombastisches Actionspektakel kann man erwarten, das zeigt schon die siebenminütige Sequenz, in der John Cusack aus einem ins Meer krachenden L.A. flüchtet.

Bei der Szene hat sich „der Roland ausgelebt“, sagt Kloser. Emmerich ist ein persönlicher Freund, mit ihm hat er auch bei „The Day After Tomorrow“ und „10.000BC“ zusammengearbeitet. Ein erfolgreicher Hollywood-Österreicher, Robert Dornhelm, verschaffte Kloser seinen ersten Job in den USA.

 

Schlangengrube Hollywood

Rücken Österreicher und Deutsche in der Schlangengrube Hollywood enger zusammen? Deutsch-österreichischen Stammtisch gebe es keinen, aber „Europäer hängen miteinander herum“, sagt Kloser der „Presse“. Und, ja, das Klischee stimme immer noch: Auch wenn der Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, aus der Alpenrepublik stammt, verwechsle man in den USA Österreich gern mit Australien. Kloser hat sich dafür einen Spruch zurechtgelegt: Nicht „Kängurus und Mel Gibson“, sondern „Kühe und Arnold Schwarzenegger“.

 

„Nix außer Depression“

Rinder hat der Komponist in seiner Jugend wohl genug gesehen: Er stammt aus dem Vorarlberger Nest Hard, seinen Traumberuf fand er mit der zweiten selbstgekauften Schallplatte: Ennio Morricones Soundtrack zu „Spiel mir das Lied vom Tod“. Nach einem „erheblichen Umweg“ mit eigener Band und als Songschreiber etwa für Falco („Nachtflug“) kam er zum Film. Seine damalige Ehefrau, Schauspielerin und Moderatorin Desirée Nosbusch, ermutigte ihn zum Sprung über den großen Teich. „Wir haben ein Haus gekauft, zusammengepackt und sind rüber“, sagt Kloser. „Und dann kam lang nix außer Depressionen.“ Das Dilemma: Ohne Erfahrung mit US-Filmen bekomme man keine Aufträge, sammle keine Erfahrung.

Inzwischen sei er „the luckiest man on earth“, glaubt Kloser. Weil er als Drehbuchautor und Produzent „von der ersten Idee bis zum letzten Ton – die Musik wird ja als Letztes gemacht – alles mitbestimmen kann“. Im Gegensatz zu Kollegen: Beim Schnitt würden üblicherweise Soundtracks aus anderen Filmen verwendet und Komponisten so Rhythmus und Dramatik vorgegeben. Viel künstlerische Freiheit bleibe da nicht.

Filmkomposition sei Kunsthandwerk, meint Kloser. „Die Kunst der Filmmusik ist dieses eine Stück, das Zuseher vom Kinostuhl in die Leinwand transportiert“. Keine Musik, die er sich privat anhöre. Ein Mittel, um die perfekte Illusion zu erzeugen.

Bei dem Multimillionen-Dollar-Projekt „2012“ sei der Druck „bombastisch hoch“, so Kloser, der allerdings schon das nächste Projekt mit Emmerich plant. Kein weiteres „disaster movie“ – der Regisseur sei fertig mit dem Genre Katastrophenfilm.

Und dann kann er es doch nicht mehr aushalten und wirft einen Blick aufs Handy: Ein Kritiker beschreibe „2012“ als „biggest disaster movie of all time“, liest Kloser das SMS vor.

Er sieht zufrieden aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2009)