Laut Studie ist staatliches System sicherer und billiger.
Wien (b.l.). In Österreich ist die kapitalgedeckte Pensionsvorsorge (private Vorsorge und Firmenpensionen) im Vergleich zum staatlichen Umlagesystem (die Jüngeren zahlen die Pensionen der Älteren) eher schwach ausgeprägt. Im OECD-Schnitt liegen Vermögen in Höhe von 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Pensionsfonds. In Österreich liegt dieser Wert bei fünf bis sechs Prozent. Das geht aus einer Studie im Auftrag der Arbeiterkammer (AK) hervor.
AK-Direktor Werner Muhm sprach sich dennoch gegen ein Zurückdrängen des staatlichen Systems aus. Der Studie zufolge haben kapitalgedeckte Systeme in der Finanzkrise nicht nur schwer gelitten, sondern sie auch mitverursacht: Zwischen 2001 und 2007 ist das Vermögen der Pensionsfonds in Europa um 141 Prozent auf 2,9 Billionen Euro angestiegen. Das habe zu einer Blase auf den Finanzmärkten geführt.
Das private System sei stärker von den Schwankungen an den Börsen abhängig. Vom demografischen Wandel sei es genauso stark betroffen wie das Umlagesystem, bestimmte Gruppen würden aber benachteiligt: Kindererziehungszeiten und Arbeitslosigkeit werden bei kapitalgedeckten Systemen nicht angerechnet.
Befürworter eines Dreisäulenmodells (staatliche, Firmen- und Privatpension) argumentieren allerdings, dass gerade in Ländern mit starker zweiter und dritter Säule (etwa den Niederlanden) über das staatliche System am meisten umverteilt werde. Denn für die Erhaltung des Lebensstandards in der Pension sorge ja das kapitalgedeckte System.
Abfuhr für Seniorenvertreter
Muhm plädierte indes dafür, dass das staatliche System finanzierbar bleiben müsse. Er sprach sich gegen eine Erhöhung der Pensionen um den „Pensionistenpreisindex“ (dieser lag in den vergangenen zwölf Monaten mit 1,9 Prozent über der Inflationsrate von 1,5 Prozent) aus. Zuletzt hatten Seniorenvertreter von SPÖ und ÖVP eine solche Erhöhung gefordert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2009)