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Pop

Saisoneröffnung: Das Konzerthaus liegt am Bosporus

(c) APA (Herbert Neubauer)
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„Spot on: Turkey now“ beleuchtet die Vielfalt türkischer Musik.

Mürrisch blickt er auf seine beiden türkischen Musikerkollegen herab, die sich ungeniert vor ihm aufgebaut haben. Fast scheint es, als fühlte sich der steinerne Ludwig van ein wenig unwohl dabei, dass das Konzerthaus für zwei Tage nicht am Stadtpark lag, sondern am Bosporus. Ganz im Gegensatz zum Publikum, das auf einige Programmpunkte des Saisonauftaktfestivals „Spot on: Turkey now“ mit Begeisterungsstürmen reagierte. Etwa auf die mitreißende Darbietung des Klarinettenvirtuosen Selim Sesler, der mit seiner Band erst nach fünf Zugaben in den Feierabend entlassen wurde.

Klarinette, Kanun (ein Zitherverwandter), diverse Lauteninstrumente, Geige und Percussion – aus diesem Instrumentarium schöpften die traditionell grundierten Ensembles (neben Sesler das furiose Taksim-Trio oder das Sextett Sarband) ein vielgestaltiges Spektrum musikalischer Möglichkeiten. Schubladisieren kann man das meist nicht – Ausdruck einer sich den unterschiedlichsten Einflüssen öffnenden Grundhaltung.

Vom Thema Einfluss handelte auch die klug konzipierte Kooperation der Originalklangspezialisten vom Concerto Köln mit der Gruppe Sarband am Samstag im großen Saal: Orient-Missverständnisse europäischer Komponisten wurden der Aneignung von europäischen Form- und Stilprinzipien durch osmanische Tonmeister gegenübergestellt. Am Sonntag kam am selben Ort als Highlight Fazil Says hochspannendes neues Violinkonzert durch die Widmungsträgerin Patricia Kopatchinskaja zur Erstaufführung. Und im Pausenraum standen derweil türkisches Efes- und kurdisches Roj-Bier friedlich Seite an Seite. hd

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2009)