Zwanzig Millionen Euro will ORF-Chef Alexander Wrabetz 2010 beim Personal einsparen. Der Betriebsrat vertagt die Entscheidung.
Das mit dem Sparen ist so eine Sache. Einerseits freut man sich in der ORF-Chefetage darüber, dass nicht nur wie geplant 130 Mitarbeiter mittels Handshake das Unternehmen frühzeitig in Richtung Ruhestand verlassen wollen, sondern deutlich über 200 – dafür wird dieser unerwartet hohe Abgang das Jahresergebnis deutlich nach unten drücken. Denn die 25 Millionen Euro, die dafür im vorigen Jahr zurückgestellt wurden, sind längst aufgebraucht. Zusätzliche Abgänge schlagen ein noch größeres Loch ins Budget als veranschlagt – die bereits auf 50 Millionen Euro hochgeschraubten Erwartungen an den ORF-Verlust 2009 werden möglicherweise noch deutlich zu kurz gegriffen sein.
Als Einsparung voll bemerkbar machen wird sich die Personalreduktion dabei erst 2012 – es könnte also sein, dass sich darüber dann ein anderer freut, nicht mehr der derzeitige ORF-General Alexander Wrabetz.
Nulllohnrunde, weniger Pension
Der hat dem Zentralbetriebsrat in zähen Verhandlungen um das Sparpaket in den vergangenen Wochen einiges abgerungen: Für 2010 soll es nur eine Nulllohnrunde geben – der Stiftungsrat fordert für das kommende Jahr ein ausgeglichenes Budget. Dafür soll Wrabetz versprochen haben, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen geben wird. Weitere Sparpläne wurden Montag nur hinter vorgehaltener Hand bestätigt – der erweiterte Zentralbetriebsrat sollte die Vereinbarung absegnen – konnte sich aber nicht einigen und vertagte sich vorerst auf kommende Woche.
Durchgesickert sind folgende Personalsparpläne:
•Zusätzlich zur Nulllohnrunde sollen die Mitarbeiter...
•auf einen Feiertag verzichten (Karfreitag).
•Es soll zu einer Angleichung der Kollektivverträge kommen, es soll weniger Zulagen und Extras und...
•weniger Zuschuss zur Pension geben.
Über 20 Millionen Euro erhofft sich Wrabetz damit 2010 zu ersparen. Vorbehaltlich, die Betriebsräte stimmen zu. Am Montag kam der Zentralbetriebsrat zunächst zu keinem Ergebnis: „Es gibt keine Beschlüsse“, berichtete der Christgewerkschafter Heinz Fiedler am Montag nach der Sitzung. Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser wollte sich auf Anfrage der „Presse“ nicht über die Sparpläne äußern.
Wrabetz steht in Sachen Sparen unter enormem Druck: Einerseits fordert der Stiftungsrat von ihm die schwarze Null. Andererseits brechen durch die wirtschaftliche Situation erwartete Einnahmen gleich an zwei Seiten weg: Die Werbeeinnahmen liegen bereits deutlich unter Plan – bereits im ersten Quartal 2009 wurden kolportierte fünf Millionen Euro weniger eingenommen als budgetiert. Der ORF musste zuletzt seine Werbetarife um 15Prozent nach unten korrigieren.
ORF-intern wird davon ausgegangen, dass sich die Situation bei der Fernsehwerbung zwar nicht mehr stark verschlechtern wird – aber in absehbarer Zeit auch kaum verbessern.
Zahl der Gebührenzahler sinkt
Gleichzeitig ist die Zahl der Gebührenzahler gesunken, weil es immer mehr Gebührenbefreiungen gibt. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Es seien aber bereits „ein paar Tausend mehr“ als angenommen, hört man aus dem ORF. Eine weitere Welle von Gebührenbefreiungen wird für das kommende Jahr befürchtet – falls jene, die derzeit in Kurzarbeit sind, in die Arbeitslosigkeit geschickt werden sollten. Alexander Wrabetz fordert die Refundierung der Gebührenbefreiung – die Regierung will zunächst einen strikten Sparkurs.
DAS SPARPAKET
■Etwa 200 Mitarbeiter wollen den ORF per Handshake verlassen – mehr als erwartet. Das Minus 2009 wird daher höher ausfallen als die budgetierten 50 Mio. Euro.
■Über 20 Millionen Euro soll das Personalsparpaket 2010 bringen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.10.2009)