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Währung in der Krise: "Wer braucht noch den Dollar?"

US-Dollar in der Krise
(c) EPA (Dennis M. Sabangan)
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Ein Experte bezeichnet den Dollar als "schrecklich brüchige Währung". Die US-Regierung will beruhigen und bekennt sich zu einem "starken Dollar". Doch ein Niedergang des US-Dollars scheint nicht länger unmöglich.

Der US-Dollar befindet sich weiter auf Talfahrt. Der aktuelle Kurs des Euro lag am Dienstag im frühen Handel bei 1,47 Dollar. US-Investor und Anlage-Experte Jim Rogers hat den Dollar sogar als eine "schrecklich brüchige Währung" bezeichnet. Er geht sogar davon aus, dass der US-Dollar dabei ist, seinen Status als weltweite Reservewährung zu verlieren.

Opfer expansiver US-Geldpolitik

Der Dollar ist ein Opfer der expansiven US-Geldpolitik. Um eine drohende Kernschmelze des Finanzsystems zu verhindern, wurden Unmengen billigen Geldes in die Wirtschaft gepumpt. Offizielle Vertreter der US-Regierung betonen dennoch, eine Politik des starken Dollars zu betreiben. "Wir tun alles, was nötig ist", sagte dazu US-Finanzminister Timothy Geithner Anfang Oktober. Und auch US-Regierungsberater Lawrence Summers betonte Tage später: "Geithner hat klargemacht, dass unser Bekenntnis zu einem starken Dollar auf einem festen Fundament steht".

Dem widerspricht Morgan Stanley-Experte Stephen Roach. "Trotz all dieser pathetischen Versicherungen durch die US-Regierung glauben die Investoren nicht, dass es eine Exit-Strategie (aus der Politik des billigen Geldes, Anm.) gibt".

"Wer braucht noch den Dollar?"

Wirtschaftsnobelpreisträger Edmund Phelps bringt es auf den Punkt: "Der Dollar war stark, weil die USA ein Hafen im Sturm waren. Nun, wo dieser Sturm abflaut, stellt sich die Frage: Wer braucht noch den Dollar?". Das berichtet die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg".

Die britische Bank HSBC prophezeite im September bereits den Niedergang des US-Dollars als führende Währung. "Der Dollar sieht furchtbar ähnlich wie das britische Pfund nach dem ersten Weltkrieg aus", sagte damals David Bloom, Währungsexperte der Bank. China und aufstrebende asiatische Länder hätten den Punkt erreicht, wo sie nicht länger ihre Währungen niedrig halten könnten, um Exporte anzukurbeln. In dem HSBC-Bericht war auch vom "Niedergang des Westens" die Rede.

Endet Dollar als Verschuldungswährung?

Dem US-Dolllar stehe vielmehr eine Zukunft als Verschuldungswährung bevor. Dank eines Leitzinses von 0 bis 0,25 Prozent ist der US-Dollar zu einem beliebten Carry Trade-Instrument geworden. Bei "Carry Trades" verschulden sich Anleger in Niedrigzins-Währungen, um ihr Geld höher rentierlich im Ausland anzulegen. Jahrelang hatten der japanische Yen und der Schweizer Franken als die klassischen Finanzierungwährungen gegolten.

(phu)