Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Theaterpreis: Der Abend der Gaukler

(c) APA (Barbara Gindl)
  • Drucken

Die Nestroy-Gala 2009 war ein clowniger Showabend ohne große Überraschungen. Sogar die Doppel-Preisträgerin war vorhersehbar.

Der Gastgeber sprach es schließlich an: Wie erfreulich, aber auch ungewöhnlich es sei, dass sich die Theaterbranche in diesem Jahr in einem Zirkuszelt feiert. In Bernhard Pauls Circus Roncalli.

Weil der nur mehr diese Woche am Rathausplatz gastiert, wurde die Nestroy-Gala heuer um gut einen Monat vor- und auf einen Montag verlegt. Aber zur Partytauglichkeit des Abends später mehr. Bernhard Paul jedenfalls freute sich, „als Zirkus einen Abend zum Schauspielhaus zu werden“. Er fühlte sich an den Bergman-Film „Abend der Gaukler“ erinnert, in dem der Theatermann zum Zirkusdirektor sagt: „Ihr Zirkusleute riecht zwar nach Pferd und Parfum, aber wir helfen euch trotzdem.“ Zumindest in einer Sache kann sich die Theaterbranche etwas von den clownesken Gaukler- und Akrobatikrevuen abschauen: In ihren Zelten sind immer alle Plätze voll.

Auch wenn einige Direktoren, Intendanten und sonstige Kulturwürdenträger etwas pikiert in ihren Zirkuslogen saßen: Der Mehrheit der Nestroy-Gäste schien das plüschige Zirkusspektakel zu gefallen. Was mehr an dem italienischen Clown David Larible als an der lauen Moderation von Christoph Wagner-Trenkwitz und Schauspieler Nicolaus Hagg gelegen haben dürfte. Letztere wirkten in ihrem Frack so, als hätten sie den Abend mit dem Opernball verwechselt. Wie im Zirkus fühlt man sich dort allerdings auch oft.


Zurück zum Clown. Der zerrte wenig überraschend einige Zuseher in die Manege, verführte etwa Nicholas Ofczarek und Sunny Melles, Stadtrat Mailath-Pokorny und die nominierten Nachwuchsschauspieler zum Blödeln. Und die ließen sich das gern gefallen, obwohl sie danach beteuerten, nichts von ihren Slapstickauftritten gewusst zu haben. Das Publikum johlte als Burg-Liebling Ofczarek als Prinz mit Mittelaltermütze der „Principessa“ Bettina Mönch („The Producers“) im Playback die ewige Liebe schwören musste. Mailath-Pokorny (mit Ritterhelm und Schwert) spielte den eifersüchtigen Ritter, der die beiden ersticht. Ein Stadtpolitiker mit Schwert – das blieb die einzige Aufregung dieser lauen Preisverleihung. Zumindest fast.

Denn die Doppel-Preisträgerin Birgit Minichmayr (Beste Schauspielerin und Publikumspreis) gab sich in ihrer Dankesrede ungewöhnlich kampflustig. Sie erzählte die Handlung des Stücks „Weibsteufel“ (mit drei Preisen Abräumer des Abends) neu interpretiert nach: „Der Mann, das ist der Kusej, und der Jäger ist der Hartmann – und die streiten, wem der Weibsteufel gehört.“ Minichmayr spielte damit auf den Streit zwischen Regisseur Martin Kusej (der gern Burg-Chef geworden wäre) und Neodirektor Matthias Hartmann an. Kusej will den „Weibsteufel“ nicht mehr an der Burg spielen. Den Regiepreis für Kusej nahm Ofczarek entgegen, der den Streit offenbar auch entbehrlich findet: „Er kann nicht hier sein, weil er in Paris ist. Sagt er.“

Ohne Eitelkeiten, aber mit Standing Ovations für Lebenswerk-Preisträger Otto Tausig ging die Gala im Zirkus zu Ende. Im Anschluss hätte im Rathaus gefeiert werden sollen. Das strenge Rauchverbot im ganzen Haus ließ aber keine rechte Stimmung aufkommen. Weil Künstler zwar auch montags feiern können, aber ohne Zigaretten macht es manchen keinen Spaß.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2009)