Österreicher verschulden sich für ihr Eigenheim

Eine Rolle spielen die Fremdwährungskredite aus der Vergangenheit. Das wird sich ändern.

wien(ker/red.). Die eigenen vier Wände sind den Österreichern heilig. So wichtig, dass sie sich dafür massiv verschulden. Laut einer Statistik der Österreichischen Nationalbank (OeNB) sind 22 Prozent der privaten Haushalte wegen ihrer Häuser bzw. Wohnungen verschuldet. Dabei gibt es große Unterschiede zwischen den Einkommensklassen.
•Haushalte mit einem höheren Einkommen (Nettoeinkommen von über 36.000 Euro) haben weniger Hemmungen, für Immobilien Kredite aufzunehmen. Eine große Rolle spielen Darlehen in fremden Währungen. Heute haben noch immer knapp 30 Prozent der verschuldeten Haushalte einen Wohnbaukredit in fremder Währung laufen. Viele Häuslbauer haben in der Vergangenheit die niedrigen Zinsen im Schweizer Franken und japanischen Yen ausgenutzt. Das wird künftig anders werden. Die Banken geben auf Empfehlung der Finanzmarktaufsicht (FMA) de facto keine neuen Fremdwährungskredite mehr heraus. Wohl zum Ärger mancher Häuslbauer. „Die Zinsen für Euro-Kredite sind durch das Ende der Fremdwährungsdarlehen höher und intransparenter geworden“, sagt Finanzexperte Johann Massenbauer.
•Einkommensschwache Haushalte haben dagegen nicht die Mittel oder bringen nur wenig Bereitschaft auf, sich für das Eigenheim zu verschulden. Auf sie entfallen nur zehn Prozent der Wohnbaukredite. Dafür müssen diese verschuldeten Haushalte tief in die Tasche greifen. Sie geben bis zu 50 Prozent ihres Einkommens aus, um die Wohnbaukredite zurückzuzahlen. Da von dieser Einkommensgruppe aber nur so wenige einen Kredit laufen haben, sind die Risken für die Finanzmarktstabilität relativ gering, folgert die Nationalbank.

Dass sich viele Österreicher verschulden, heißt aber nicht, dass sie auch Besitzer der Wohnimmobilien sind. Im Gegenteil. Gleich 50 Prozent mieten die entsprechende Immobilie. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Genossenschafts- oder Gemeindewohnungen. Die OeNB führt das auf spezielle Förderungen dieser Wohnungen zurück. Deshalb sei im europäischen Vergleich die Eigentümerquote niedrig, heißt es in der Aussendung der Österreichischen Nationalbank.

Nicht nur Kredite sind bei Immobilienfinanzierungen bedeutend. Eine entscheidende Rolle spielen auch Erbschaften. Bei Haushalten, die den Kauf mit Erbschaften finanzierten, betrug deren Anteil am Kaufpreis rund 40 Prozent.

Das gesamte Immobilienvermögen beträgt hierzulande mindestens 690 Mrd. Euro. Der durchschnittliche Wert der Hauptwohnimmobilie eines Haushaltes beläuft sich auf 130.000 Euro, das Immobilienvermögen im Durchschnitt auf 250.000 Euro. Letzterer Wert ist deswegen deutlich höher, weil viele Österreicher auch Nebenimmobilien besitzen. Die Hälfte der privaten Haushalte, die sich für eine Nebenimmobilie verschulden, bewohnt oder nutzt diese selbst. Ein Viertel hält sie als Wertanlage, das andere Viertel vermietet sie.

AUF EINEN BLICK

22 Prozent der privaten Haushalte sind hierzulande wegen ihrer Häuser beziehungsweise Wohnungen verschuldet.

Einkommensstarke Haushalte haben weniger Hemmungen, für Immobilien Kredite aufzunehmen. Dabei haben in der Vergangenheit die Franken- und Yen-Kredite eine große Rolle gespielt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.10.2009)

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