Häupl führt durchs Museum: Darwin, von Chorälen beschallt

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Michael Häupl, Biologe und Bürgermeister, führte am Montagabend durch die Darwin-Ausstellung des NHM und diskutierte auch über die Gretchenfrage.

Als ich als Direktor berufen worden bin, stand an einer Tür noch ,Dr. Michael Häupl‘“, erinnert sich Bernd Lötsch, Chef des Naturhistorischen Museums in Wien (NHM) an das Jahr 1994: „Ich habe Mitarbeiter gefragt: ,Wo ist er?‘ ,Karenziert!‘ ,Womit geht er schwanger?‘ ,Mit dem Bürgermeister!‘“ Er ist es geworden, als wohl einziger studierter Biologe weltweit, Montagabend kehrte er kurz zurück, um durch die Darwin-Ausstellung („Die Presse“ berichtete am Sonntag) zu führen und auf einem Podium zu debattieren.

„Da ist mein Freund, der Gecko“, deutet er auf ein Exponat und erinnert daran, dass er seinen Doktor mit „Funktionsanalytischen Untersuchungen am Schädelskelett und der Kopfmuskulatur verschiedener Arten der Fam. Gekkinodea“ erarbeitete, 1977. Sein Herz hängt noch dran, an der Forschung, er deutet auf „Wichtiges“ und „Schmankerl“, aber nun ist er in einem anderen Metier, in dem herrscht ein anderes Tempo („weiter geht's, damit wir fertig werden“). So entgeht ihm, was einen Podiumsdiskutanten stutzig macht, Gregor Ulrich Henckel Donnersmarck, den Abt von Heiligenkreuz: „Die spielen ja unsere Choräle!“ Er hat sich nicht verhört: Justament die Darwin-Ausstellung wird mit den gregorianischen Gesängen seiner Brüder beschallt.

 

Wer hat beim Urknall geknallt?

Dem Abt ist es recht, er verweilt und ist an einem späteren Halt gerade nicht bei der Führung: Da stehen rekonstruierte Urmenschen, vom Australopithecus bis zum Neandertaler, Häupl will dem Heer der Kameras etwas bieten: „Da zu den Affen stellen wir uns hin! Ich ein bisserl davor!“ Lötsch: „Das wäre eine gute Möglichkeit, Sie und der Abt!“ Aber der ist eben nicht da. Dafür unterbreitet er dann auf dem Podium ein Friedensangebot: Er habe „als Katholik und Theologe kein Problem damit, die Fakten der Wissenschaft und den Evolutionismus in den 14,5 Milliarden Jahren seit dem Urknall anzuerkennen“. Das ändere aber nichts „an der Frage, wer beim Urknall geknallt hat“. Die Antwort darauf sei Sache der Offenbarung beziehungsweise der Theologie. Deshalb plädiere er dafür, dass die Theologie der Naturwissenschaft nichts hineinrede, und vice versa: „Verhindern wir Übergriffe, werden wir keine Schwierigkeiten haben!“

Häupl nimmt „den versöhnlichen Ton sehr gerne an: Es möge die Religion die Genesis im Religionsunterricht unterrichten, wir unterrichten im Biologieunterricht die Evolution.“ Und Friede am Podium, gefördert auch von Lötsch („Dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist“). Aber der schlägt dann doch (s)eine Brücke zwischen den Reichen: „Weil der Mensch ein triebbestimmtes Tier ist, brauchen wir so etwas wie das Christentum. Ohne göttliche Funken hätten wir nie den Gipfel der Humanitas erklimmen können.“

Häupl geht das zu weit, er fühlt sich „der Aufklärung verpflichtet: Es gibt Ethik auch außerhalb der Religion!“ Für die wird er stehen, auch wenn er nicht mehr im Amt ist. In die Wissenschaft zurück kann er nicht, er macht sich keine Illusionen, er ist zu lange weg. Stattdessen will er sich dann um die Förderung junger Forscher kümmern.