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Arbeitslosigkeit sinkt erst 2020

(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Im Dezember gab es erneut eine Verschnaufpause auf dem Arbeitsmarkt. Doch heuer dürfte die Zahl der Arbeitslosen wieder steigen. Eine nachhaltige Trendwende erwartet AMS-Vorstand Kopf erst 2020.

Wien. Die gute Nachricht vorweg: Im Dezember ist die Arbeitslosigkeit nach einem Rückgang im November erneut gesunken. Inklusive Schulungsteilnehmer waren Ende Dezember 471.169 Personen auf Jobsuche, teilte das Arbeitsmarktservice (AMS) am Montag mit. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 0,9 Prozent bzw. 4266 Personen. „Von einer Trendwende kann man aber nicht sprechen“, sagt AMS-Vorstand Johannes Kopf im „Presse“-Interview.

Kopf geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit heuer wieder steigen wird. Dies hat konjunkturelle Gründe. Hinzu kommt, dass mehr Flüchtlinge auf den Arbeitsmarkt drängen. Eigentlich hätte die Arbeitslosigkeit schon zuletzt nach oben gehen sollen. Denn das AMS war ursprünglich davon ausgegangen, dass man 2016 zusätzlich 30.000 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte betreuen werde. Schließlich waren 2015, als die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt erreicht hatte, rund 90.000 Asylwerber nach Österreich gekommen. Doch statt des Plus von 30.000 hat sich im Vorjahr die Zahl der vom AMS betreuten Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigten nur um knapp 7000 auf 28.125 Personen erhöht. Denn die Asylverfahren dauern länger als ursprünglich angenommen.

Der Wiener Flüchtlingskoordinator, Peter Hacker, meinte im Dezember im „Presse“-Interview, dass die Bearbeitung absichtlich langsam erfolge. Das Innenministerium weist das zurück. Das AMS kann im Regelfall erst mit Integrationsmaßnahmen (wie Kompetenzcheck, Intensivdeutschkurs, Qualifizierungsoffensive) beginnen, wenn Flüchtlinge einen positiven Asylbescheid haben.

Laut AMS-Vorstand Kopf sei es aus arbeitsmarktpolitischer Sicht wünschenswert, wenn die Asylverfahren schneller abgeschlossen werden. „Wir hatten im Vorjahr Fälle, in denen Flüchtlinge schon eineinhalb Jahre in Österreich waren, aber noch keinen Deutschkurs besucht haben“, so Kopf. Gerade bei jungen Menschen sei es wichtig, dass diese rasch eine Ausbildung machen können.

 

Integration ist ein langer Prozess

Laut Auskunft des Innenministeriums befinden sich derzeit 62.000 Menschen in einem Asylverfahren. „Wir bauen den Rucksack des Jahres 2015 ab“, heißt es im Ministerium. Von diesen 62.000 Menschen werden aber nicht alle beim AMS landen. Schließlich befinden sich darunter auch Kinder und Schulpflichtige. Außerdem werden nicht alle Asylwerber einen positiven Bescheid bekommen. Das AMS erwartet, dass man heuer zusätzlich 20.000 anerkannte Flüchtlinge und subsidiär Schutzberechtigte betreuen werde.

Die Integration ist teilweise ein langer Prozess. Von den 28.125 anerkannten Flüchtlingen und subsidiär Schutzberechtigten, um die sich das AMS bereits kümmert, haben 2224 Personen eine akademische Ausbildung. Die Mehrheit (16.691 Menschen) hat nur eine Pflichtschulausbildung.

Neben den Dezemberzahlen hat das AMS am Montag auch die durchschnittlichen Arbeitslosenzahlen für das Gesamtjahr 2016 veröffentlicht. Demnach gab es im Vorjahr durchschnittlich 424.523 arbeitslose Personen und Schulungsteilnehmer. Das ist im Vergleich zu 2015 ein Plus von 1,2 Prozent. Bei Inländern gab es einen Rückgang von 1,6 Prozent, bei Ausländern einen Anstieg von 8,6 Prozent.

 

Immer mehr arbeitslose Akademiker

Dramatisch ist die Entwicklung bei Langzeitarbeitslosen (plus 59,8 Prozent auf 55.550 Personen). Bei Älteren (50 Jahre und älter) verzeichnete das AMS ein Plus von 5,6 Prozent auf 105.053 Personen. Im Durchschnitt betrug die Verweildauer in der Arbeitslosigkeit bereits 126 Tage, um elf Tage mehr als 2015. Bei Personen, die nur eine Pflichtschulausbildung haben, ist die Arbeitslosigkeit um 1,8 Prozent gesunken, während sie bei Akademikern um 11,9 Prozent gestiegen ist.

AMS-Vorstand Kopf spricht von einer „weiterhin sehr schlechten Arbeitsmarktlage“. Eine nachhaltige Trendwende sei im Jahr 2020 zu erwarten. Erst dann werde aus demografischen Gründen das Angebot an Arbeitskräften sinken. Bis 2020 dürfte laut Kopf die Zahl der Arbeitslosen und Schulungsteilnehmer jedes Jahr um bis zu 20.000 Personen steigen. Somit dürfte es 2017 durchschnittlich bis zu 445.000 arbeitssuchende Menschen geben.

Zum Vergleich

In Deutschland haben so viele Menschen wie noch nie seit der Wiedervereinigung Arbeit: Konkret gab es im Vorjahr 43,5 Millionen Erwerbstätige. Das seien 429.000 Personen mehr als 2015 gewesen, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Die Zahl der Arbeitslosen ging zuletzt zurück. Details dazu werden am heutigen Dienstag veröffentlicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2017)