Viennale: Österreich und "Antichrist"

Szene aus Lars von Triers ''Antichrist''
(c) Viennale

Über 140 Spielfilme und Dokus stehen bei der Viennale am Programm. Das Wiener Filmfestival zeigt von Trier, Coppola und Soderbergh. Österreichischem Film wird eine eigene Schiene gewidmet.

Mit Stargast Tilda Swinton, einem starken Fokus auf das neue österreichische Kino und einem ausgebauten Hauptprogramm geht die Viennale ab 22. Oktober in ihre 47. Auflage. Langzeit-Intendant Hans Hurch verfügt heuer über einen Tag mehr als bisher und mit dem Wiener Badeschiff über eine neue Zentrale. Mehr als 140 Spiel- und Dokumentarfilme werden im Gartenbaukino, Metro Kino, Stadtkino, Urania und Künstlerhauskino beim größten Internationalen Filmfestival in Österreich gezeigt. Am dienstagabend hat Hurch das Programm präsentiert: Viele österreichische Filme sind dabei und einige große Namen. Der Vorverkauf beginnt am Samstag, 17. Oktober.

Eine besondere Rolle nimmt dabei erstmals das heimische Filmschaffen ein: Unter dem Titel "Home Run - Neues Kino aus Österreich" wird täglich zum Hauptabendtermin im Künstlerhauskino ein heimischer Film zu sehen sein. Unter den 16 Langfilmen (dazu kommen noch acht Kurzfilme) befinden sich u.a. Jessica Hausners "Lourdes" und "La Pivellina" von Tizza Covi und Rainer Frimmel. Letzterer ist zugleich der erste österreichische Eröffnungsfilm des Festivals.

Zugpferde und Arthaus-Lieblinge

Auch ein paar große Zugpferde finden sich im Programm: Lars von Triers umstrittener "Antichrist", Werner Herzogs "Bad Lieutenant: Port of Call New Orleans", Francis Ford Coppolas "Tetro", Woody Allens "Whatever Works" und Steven Soderberghs "The Girlfriend Experience" sowie der Abschlussfilm "A Serious Man" von den Coen-Brüdern.

Dazu kommen einige französische Arthaus-Lieblinge: Claire Denis zeigt "White Material", Philippe Lioret "Welcome", Jacques Audiard "Un Prophete" und Jacques Rivette "36 vues de Pic Saint Loup". Jane Birkin präsentiert ihr Kino-Regiedebüt "Boxes" und David Bowies Sohn Duncan Jones debütiert mit "Moon".

Musik im Film

Im Großen und Ganzen hat es sich damit auch mit den großen Namen. Im Dokumentarfilmbereich treten Romuald Karmakar ("Villalobos"), Frederick Wiseman ("La Danse - Le Ballet de l'Opera de Paris"), Tom DiCillo ("When You're Strange: A Film About The Doors") und Davis Guggenheim ("It Might Get Loud") auf den Plan - sie beschäftigen sich mit der Abbildung von Musik im Film. Werner Herzog ist zudem mit den "Encounters at the End of the World" zu Gast. Abel Ferrara hat mit "Napoli Napoli Napoli" eine neue Doku im Programm.

Auch heuer bevölkern wieder viele (vor allem europäischen) das Viennale-Programm, darunter Peter Whitehead mit "Terrorism Considered as One of the Fine Arts", Harun Farocki mit "Zum Vergleich", Volker Koepp mit "Berlin - Stettin" und Manoel de Oliveira mit "Singularidades de uma Rapariga Loura".

Österreichische Filme

Unter den österreichischen Beiträgen sind einige Weltpremieren: Etwa das neue Werk des exzentrischen Filmemachers Peter Kern, "Blutsfreundschaft". Auch die Spielfilm-Debüts "Koma" von Ludwig Wüst und "Domaine" des in Frankreich lebenden Österreichers Patric Chiha haben es in die Selektion geschafft.

Zehn Dokus sind zu sehen, darunter "Frauenkarawane" von Nathalie Borgers, deren kritische "Kronenzeitungs"-Doku 2002 für einige Aufregung gesorgt hatte. Houchang Allahyari porträtierte die Wiener Grande Dame der Sozialarbeit, Ute Bock, in "Bock for President". Andrea Eckert widmet sich in "Durch die Welt nach Hause" dem Schriftsteller Frederic Morton, der im Februar 1940 als Fritz Mandelbaum vor den Nazis flüchten musste.

Den Vorboten des österreichischen Kinos vor hundert Jahren widmet sich das Filmarchiv Austria mit der zwölf Teile umfassenden Programmreihe "Early Austrians". Im Mittelpunkt der Auswahl von 1906 bis 1918 stehen österreichische Kinopioniere.

Drei Tributes und Stargast Swinton

Drei Tributes gibt es bei der heurigen Viennale: Eines ist Tilda Swinton gewindet, die Oscar-prämierte Schauspielerin ist auch Stargast in Wien. Die weiteren Tributes gelten dem philippinischen Altmeister Lino Brocka sowie dem eigenwilligen amerikanischen Schauspieler und Filmemacher Timothy Carey. Der Festivaltrailer wurde diesmal vom US-Avantgardefilmer James Benning gestaltet.

(APA)