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Tschechen entscheiden Match um Casinos für sich

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Nach fast zwei Jahren heftiger Kämpfe und vieler Rückschläge erwirbt die Sazka-Gruppe zwei Aktienpakete und wird größter Aktionär bei den Casinos Austria. Konkurrent Novomatic muss sich mit 17,2 Prozent begnügen.

Wien. Fast zwei Jahre ist es her, dass die tschechischen Milliardäre Jirí Smejc und Karel Komárek mit ihrer Sazka-Gruppe das Match um die Casinos Austria eröffneten und Konkurrenten der Novomatic wurden. Das Glück wechselte oft die Seiten – jetzt haben die Tschechen das größte Stück des Glücksspielkonzerns für sich gewonnen.

Am Dienstag haben nämlich die zu Raiffeisen gehörende Leipnik Lundenburger Invest (LLI) und die Uniqa Versicherung ihre Anteile an den Casinos Austria von durchgerechnet je 11,35 Prozent an die Sazka verkauft. Die Uniqa beziffert den Verkaufsgewinn mit 47,6 Mio. Euro, mindestens ebenso viel dürfte für die LLI herausspringen.

Mit den 11,34 Prozent, die die Tschechen im September 2015 erworben haben, halten sie nun 34,05 Prozent an den Casinos. Die Sazka, die mit Beteiligungen an der griechischen Lottogesellschaft Opap, der Lottoitalia und der tschechischen Sazka-Lotterie eigenen Angaben zufolge zu den größten Lotterie- und Glücksspielkonzernen Europas gehört, ist damit der größte Aktionär. Knapp dahinter liegt der österreichische Staat, der über die Öbib 33,2 Prozent hält. Nummer drei ist die Novomatic mit 17,2 Prozent. Dieses Aktienpaket hat sie Mitte Dezember von Maria Theresia Bablik erworben.

 

Lukrative Lotterien

Sazka und Novomatic haben sich mit 11,56 bzw. 12,5 Prozent an der Casinos-Tochter Lotterien beteiligt. Darauf waren beide Interessenten besonders scharf. Denn die Lotterien sind nicht nur die Cashcow der Casinos – im Jahr 2015 lag der Nettogewinn bei 40 Mio. Euro, während die zwölf heimischen Spielbanken knapp zehn Mio. Euro erzielten. Die Lotterien verfügen auch über die einzige Lottolizenz und die einzige Konzession für das besonders lukrative Onlinespiel inklusive Video-Lotterie-Terminals (VLT) in Österreich.

Die Genugtuung in Prag ist groß: „Wir freuen uns, unsere Präsenz auf dem österreichischen Glücksspielmarkt erfolgreich erweitern zu können“, sagte Stephan Dlouhy, Investment-Chef der Sazka. Und er kündigt an, langfristig bei den Casinos involviert zu bleiben. „Wir sind strategische Investoren mit dem Ziel, Innovationen in großen europäischen Glücksspielkonzernen einzuführen.“ Mit den anderen Aktionären wolle man das Wachstum der Casinos vorantreiben.

Sowohl die LLI als auch die Uniqa hatten ihre Anteile zuerst der Novomatic angedient. Der in Niederösterreich ansässige Big Player im Spielautomaten-Geschäft, der im Ausland auch Casinos und Spielhallen betreibt sowie Spiele in Lizenz vermarktet, hatte letztlich schon 41 Prozent an den Casinos – allerdings nur auf dem Papier. Im August 2016 schob das Kartellgericht dem Einstieg wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken einen Riegel vor. Die Novomatic ging zwar in Revision – und der Oberste Gerichtshof (OGH) hat auch schon entschieden, seinen Spruch aber noch nicht veröffentlicht („Die Presse“ berichtete am 3. Jänner). Weder LLI noch Uniqa noch die Novomatic selbst rechnen mit einer Aufhebung, weshalb die alten Verträge aufgelöst wurden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.01.2017)