Der weltgrößte Chiphersteller überrascht mit guten Zahlen. Die Halbleiterindustrie hofft auf einen Ausweg aus dem Jammertal. Für das Weihnachtsquartal rechnet Intel zudem mit einem Umsatz von 6,8 Mrd. Euro.
Wien (mac/ag). Der führende Chiphersteller Intel hellte mit seinem Quartalsbericht am Dienstagabend die trübe Stimmung in der Technologiebranche kräftig auf. Zwar sanken sowohl Umsatz (6,32 Mrd. Euro) als auch Gewinn (1,27 Mrd. Euro) im dritten Quartal um acht Prozent. Dennoch lag der US-Konzern damit klar über den Erwartungen der Analysten. Für das Weihnachtsquartal rechnet Intel zudem mit einem Umsatz von 6,8 Mrd. Euro, was die Aktien des Konzerns prompt um gut zwei Prozent nach oben trieb. Intel eröffnet traditionell den Berichtsreigen der US-Branchengrößen von IBM bis Google und gilt als Gradmesser für das Wohl der gesamten Industrie.
Billigere Computer und Notebooks
Gerade die angeschlagene Halbleiterbranche kann Erfolgsnachrichten gut gebrauchen, denn die Chiphersteller durchleiden die größte Flaute seit dem Platzen der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Gingen die Chipverkäufe damals um ein Drittel zurück, so rechnen die Marktforscher von Gartner heuer mit einem Einbruch um ein knappes Viertel. Auch im August wurden um 16,1Prozent weniger Chips verkauft als im Vorjahresmonat. Besserung ist dennoch in Sicht: Im Vergleich zum Vormonat stieg der Absatz zum sechsten Mal in Folge.
Intel profitiert, ebenso wie sein Hauptrivale AMD, der heute seine Quartalszahlen vorlegen wird, vom Preiskampf am Computermarkt, der die PC-Preise heuer um rund 14Prozent gesenkt hat, was am Endverbrauchermarkt zu höheren Verkäufen führte. Große Hoffnungen ruhen auf der Einführung des neuen Microsoft-Betriebssystems Windows7 am 22.Oktober. Spätestens 2010 werden viele Firmen, die den Zwischenschritt auf das missglückte Windows Vista vor zwei Jahren verweigert haben, auf das neue Betriebssystem umrüsten und ihr altes IT-Equipment erneuern, so die Erwartung.
Auch der zweitgrößte Computerhersteller, Dell, erwartet für 2010 einen rasanten Anstieg der IT-Investitionen. Der Dell-Rivale Acer hatte bereits vor wenigen Tagen einen Rekordumsatz angekündigt. In Summe sollen heuer 285 Millionen Computer über den Ladentisch gehen, erwartet Gartner. Auf acht von zehn wird wieder das Logo „Intel Inside“ prangen.
Allerdings gibt es auch Schattenseiten: Der Trend hin zu kleineren und schwächeren Notebooks bringt die Chiphersteller um ihre Gewinne. Wird weniger Leistung gebraucht, kaufen die Computerbauer eben billigere oder ältere Modelle. Der zweite Unsicherheitsfaktor liegt im kommenden Weihnachtsgeschäft. Die Chiphersteller präsentieren traditionellerweise im dritten Quartal die besten Zahlen, weil sich die Computerbauer für das Weihnachtsgeschäft eindecken. Bleibt der erhoffte Ansturm der Kunden aus, sind Folgeaufträge Mangelware, bis die Lager abgebaut sind.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.10.2009)