Rückblick

50 Jahre Super Bowl: Als Ballons noch zur Halbzeitshow taugten

Das Stadion in Los Angeles war beim ersten Super Bowl nicht ausverkauft
Das Stadion in Los Angeles war beim ersten Super Bowl nicht ausverkauft(c) National Football League

Als beim ersten Super Bowl die Green Bay Packers triumphierten, wurde mit verschiedenen Bällen gespielt, die teuersten Tickets kosteten 12 Dollar - und in der Nachbarschaft blieben die TV-Geräte schwarz.

Die USA und weite Teile der Welt werden wieder gewissermaßen still stehen, wenn am 5. Februar in Houston der Kick-off zum Super Bowl LI stattfindet. Für die Amerikaner ist das Endspiel der Football-Liga inzwischen beinahe so wichtig wie der 4. Juli, Weihnachten und Silvester zusammen. Wer heuer keines der begehrten Tickets für das NRG Stadium, Heimstätte der Houston Texans, ergattert hat, wird gemeinsam mit rund 800 Millionen Menschen in der ganzen Welt vor dem TV-Gerät mitfiebern.

Von all dem war vor 50 Jahren, als der allererste Super Bowl ausgespielt wurde, keine Rede. Erst ein Jahr zuvor hatten sich die renommierte National Football League (NFL) und die sieben Jahre zuvor gegründete konkurrierende American Football League (AFL) auf eine gemeinsam ausgetragene Liga ab 1970 geeinigt. In der Übergangszeit sollte das Duell der jeweiligen Liga-Champions den Landesmeister küren. Als sich somit am 15. Jänner 1967 in Los Angeles der AFL-Sieger Kansas City Chiefs und NFL-Pendant Green Bay Packers unter Trainerlegende Vince Lombardi gegenüberstanden, war dies zwar ein historisches Spiel, aber keines das die amerikanischen Footballfans, geschweige denn die Welt, in ihren Bann zog.

Die Bezeichnung "Super Bowl" geht auf AFL-Gründer und Chiefs-Besitzer Lamar Hunt zurück. Auf der Suche nach einem besonders klingenden Namen soll er in Anlehnung an die in den 60er-Jahren in Amerika beliebte Flummi-Art "Super Ball" in einem Meeting darauf gekommen sein, doch für NFL-Commissioner Pete Rozelle spiegelte dies weder Seriosität noch Wertigkeit seiner Liga wider. So wurde die Veranstaltung offiziell unter dem sperrigen Titel "AFL-NFL World Championship Game" vermarktet, Medien griffen jedoch bald auf das kürzere, plakativere "Super Bowl" zurück. Drei Jahre später sollte sich die nun allein regierende NFL besinnen und die Bezeichnung übernehmen.

Tickets um 12 Dollar und viele leere Plätze

Die Rahmenbedingungen für die Premiere sind mit heute nicht zu vergleichen. Gerade einmal sechs Wochen vor dem Kick-off wurde das Memorial Coliseum in Los Angeles als Austragungsort bestimmt. Am Spieltag selbst war der Andrang im 94.000 Zuschauer fassenden Oval mehr als überschaubar, viele Fans hatten sich im Vorfeld über die hohen Ticketpreise echauffiert. Dabei war die teuerste Karte damals bereits um 12 Dollar zu haben, selbst mit Inflationsanpassung ein Schnäppchen, sind 50 Jahre später die billigsten Kategorien doch bereits im vierstelligen Bereich angesiedelt.

Die Pausenzigarette - 2017 eine undenkbare Szene:

Die NFL verdient sich an den Übertragungsrechten inzwischen ein goldenes Näschen, mit ihr darf auch der diesjährige Rechteinhaber Fox jubeln: Mehr als fünf Millionen Dollar kosten 2017 30 Sekunden Werbung während des Super Bowl, vor 50 Jahren waren es noch 37.500 Dollar. Für die Premiere zahlten CBS, das ansonsten die NFL übertrug und schließlich auch das Livebild stellte, sowie AFL-Gegenpart NBC je eine Million Dollar und sorgten mit zwei Crews vor Ort für die einzige gemeinschaftliche Übertragung in der Geschichte des Super Bowl. Das Spiel in voller Länge dürfte übrigens nur auf einer einzigen Videokassette im Privatbesitz erhalten geblieben sein, um das inzwischen ein Rechtsstreit tobt.

Rund 60 Millionen Menschen sahen damals vor den Fernsehgeräten zu, vielleicht wären es noch einige mehr gewesen, doch in einem 75-Meilen-Radius (ca. 120 km) rund um das Memorial Coliseum blieben die Schirme für etwa 15 Millionen Menschen schwarz. Dafür sorgte eine aus heutiger Sicht irrwitzige Passage in den NFL-Regularien: Um Fans in die Stadien zu locken, durften die Spiele in der lokalen Nachbarschaft nicht gezeigt werden. Das führte beim ersten Super Bowl vielerorts zum improvisierten Bau von Zimmerantennen aus Besen und Kleiderhaken sowie waghalsigen Kletterpartien auf Hausdächer, um doch noch irgendwie an ein TV-Signal zu gelangen. Weniger genau nahmen es die TV-Anbieter damals mit dem Schalten der Werbeanzeigen. Da NBC beim Ankick der zweiten Spielhälfte noch nicht live auf Sendung war, mussten die Packers diesen wiederholen.

Halbzeitshow mit Musikkapellen und Ballons

In der Halbzeitpause zuvor bekamen die Fans damals überdies nicht Auftritte großer Stars zu sehen. Anstatt weltbekannter Sänger oder Bands wie Michael Jackson, Madonna den Rolling Stones oder wie in diesem Jahr Lady Gaga marschierten 1967 die Blasorchester der University of Arizona und der Grambling State University ein. Anschließend stiegen zwei "Raketenmänner" von Bell Aerosystems mithilfe von Jetpacks auf und landeten auf der 50-Yard-Linie. Als Highlight wurden schließlich 10.000 Helium-Ballons und hunderte Tauben losgelassen.

Der Trompeter Al Hirt spielte 1967 die US-Hymne
Der Trompeter Al Hirt spielte 1967 die US-Hymne(c) National Football League

Aus sportlicher Sicht standen beide Mannschaften unter großem Druck auch für ihre jeweilige Liga den Titel zu gewinnen. Entgegen der Erwartungen entwickelte sich in der ersten Hälfte ein enges, umkämpftes Duell. Die favorisierten Packers legten zwar vor, bis zur Pause kamen die Chiefs allerdings bis auf 10:14 heran. Doch eine Interception von Safety Willie Wood mit anschließendem 50-Yard-Gewinn stellte schließlich früh im dritten Viertel die Weichen für den NFL-Champion, der nach 21 Punkten in Folge klar mit 35:10 triumphierte. Packers-Quarterback Bart Starr verbuchte 250-Yard-Raumgewinn, zwei Touchdown-Pässe sowie eine Interception und wurde zum MVP gewählt. Erfolgscoach Lombardi hielt nach der Partie fest: "Nicht einmal die Besten der AFL sind gut genug, um sich mit der NFL-Spitze zu messen."

>>> Zusammenschnitt von Spielszenen des Super Bowl I auf YouTube