Bakterien reden mit Elektrizität

Abfluss eines Waschbeckens
Abfluss eines Waschbeckens(c) Clemens Fabry
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Die Kommunikation funktioniert auch über große Distanzen.

Zu den erstaunlichsten Phänomenen des Lebens gehören Biofilme, das sind Bakteriengemeinschaften, wie man sie vom Abfluss von Waschbecken kennt. Dort sind sie lästig, sie können aber auch tödlich werden, wenn sie etwa Implantate überwuchern. Mit Antibiotika wird man ihrer nicht Herr, sie sind komplex gebaut, wie Festungen mit Außenmauern. Deshalb sucht man andere Wege, viel versprechen die über ihre Kommunikation. Sie verständigen sich etwa mit chemischen Signalen, im sogenannten Quorum Sensing zählen sie ihre Reihen durch und schlagen erst los, wenn genug da sind.

Sie verständigen sich aber auch mit elektrischen Signalen, Gürol Düel (UC San Diego) hat es 2015 bemerkt: Die Signale liefen in Biofilmen, sie wurden dadurch generiert, dass ein Bakterium durch Ionenkanäle Kalium freisetzt, positiv geladenes. Das tun die Nachbarn dann auch, es pflanzt sich fort wie eine Welle. Sie sorgt dafür, dass die Bakterien ganz außen ihr Verhalten so ändern, dass auch jene innen genug Futter bekommen. Nun hat Düel noch etwas bemerkt (Cell 12. 1.): Die Signale wirken auch über weite Distanzen, sie rekrutieren neue Mitglieder, die noch allein leben, es können auch die ganz anderer Arten sein. Düel hofft, die Kommunikation mit Störmanövern unterbinden zu können. (jl)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2017)

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