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Frankreich: Chaos-Sozialist mischt TV-Debatte auf

Bennahmias schien kaum auf die Debatte vorbereitet.
Bennahmias schien kaum auf die Debatte vorbereitet.APA/AFP/POOL/PHILIPPE WOJAZER
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"Peinlicher Onkel" oder "komischer Vogel" - Jean-Luc Bennahmias sorgte mit seinem unkonventionellen Auftritt bei der Diskussion der sozialistischen Präsidentschaftskandidaten für Kopfschütteln.

Mit seinem höchst unkonventionellen Auftritt bei der TV-Debatte der französischen Sozialisten hat der Präsidentschaftsanwärter Jean-Luc Bennahmias für Schmunzeln und Kopfschütteln zugleich gesorgt. Der 62-Jährige ließ mit flapsigen Sprüchen, Witzchen, theatralischen Gesten und Wissenslücken beim eigenen Wahlprogramm die sozialen Netzwerke heißlaufen.

Eineinhalb Wochen vor der ersten Wahlrunde traten am Donnerstagabend außer Bennahmias auch der frühere Premierminister Manuel Valls, Ex-Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg und vier weitere im Fernsehen gegeneinander an. "Ich habe die erste Minute und die letzte Minute vorbereitet", merkte der einstige Grünen-Chef vor der TV-Debatte am Donnerstagabend betont entspannt an. "Den Rest werden wir sehen."

Bei der Diskussionsrunde trat Bennahmias dann als einziger der männlichen Kandidaten ohne Krawatte auf und schien die Debatte auch sonst nicht sonderlich ernst zu nehmen. "Wir sind sieben kleine Kandidaten", sagte der Politiker mit der Halbglatze und den markant abstehenden Ohren an einer Stelle.

Nicht firm im Wahlprogramm

Auf eine Frage, was er als Präsident machen würde, antwortete er ironisch: "Darüber denke ich jeden Tag nach" - Bennahmias gilt schon bei der Vorwahl als absolut chancenlos. Mit Erstaunen schien der 62-Jährige zudem Teile seines Wahlprogramms zu entdecken: Er bestritt, die Gründung einer Einheit von privaten Wachleuten gefordert zu haben - dabei steht das auf seiner Internetseite.

In den sozialen Netzwerken löste der Politiker eine wahre Flut von Kommentaren aus. "Jean-Luc Bennahmias erinnert mich an meinen Onkel, wenn er zu Weihnachten betrunken ist und über Politik reden will", schrieb eine Twitter-Nutzerin. "Wenn du lachen willst, schau dir Bennahmias an", twitterte eine andere.

Der Politiker wurde als "Clown", "komischer Vogel" oder "peinlicher Onkel" bezeichnet. Ein Kommentator merkte an, bei den kommenden TV-Debatten der Sozialisten würden Fernsehzuschauer Popcorn herausholen und sich zurücklehnen, wann immer Bennahmias das Wort ergreife.

Keine Chancen auf nächsten Präsidenten

Dabei steht es ernst um die Sozialisten von Staatschef Francois Hollande. Ihnen droht bei der Präsidentschaftswahl im Frühjahr eine herbe Niederlage - die Vorwahl soll der Regierungspartei neuen Aufschwung geben. "Alle Prognosen sagen voraus, dass die Linke vor der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen ausscheiden wird", warnte Valls zu Beginn. Frankreich hätte dann nur die Wahl zwischen der "extremen Rechten" von Front-National-Chefin Marine Le Pen und der "harten Rechten" des konservativen Präsidentschaftskandidaten Francois Fillon. Er werde dies nicht hinnehmen. 

In der ersten von insgesamt vier Fernsehdebatten ging es zunächst um die Ankurbelung der Wirtschaft, die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die Frage von Steuern und die Sozialsysteme. Breiten Raum nahmen Vorschläge von zwei der Kandidaten für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. Anschließend diskutierten die sieben Bewerber über den Anti-Terror-Kampf und die Sicherheitspolitik.

Meinungsforscher sagen den Sozialisten derzeit so gut wie keine Chancen voraus, den nächsten Präsidenten zu stellen. Als großer Favorit bei der Präsidentschaftswahl im April und Mai gilt vielmehr der Konservative Fillon. Der klare Sieger der Republikaner-Vorwahl vom November dürfte Umfragen zufolge zusammen mit Le Pen in die Stichwahl einziehen.

Die Sozialisten leiden nicht nur unter der Unzufriedenheit mit dem 2012 gewählten Hollande. Erschwerend kommt für die Regierungspartei hinzu, dass ihr bei der Präsidentschaftswahl auch zwei Kandidaten aus dem linken Lager Konkurrenz machen werden: Der frühere Wirtschaftsminister Emmanuel Macron und Linksparteigründer Jean-Luc Melenchon. Beide liegen in Umfragen derzeit vor den Sozialisten.

(APA/AFP)