Die teuersten Werke, die erfolgreichsten Künstler und Ausstellungen – die Kunstwelt liebt Rankings, sie täuschen Sicherheit vor in einer unsicheren Branche. Also lechzt man not very sophisticated jeden November dem „Power Issue“ des Londoner Kunstmagazins „Artreview“ entgegen. Gestern war es wieder so weit, die Top 100 der mächtigsten Kunstmenschen wurden bekannt gegeben – Österreicher waren keine darunter, was den geringen Bekanntheitsgrad hierzulande erklärt. Aber ich will Sie nicht auf die Folter spannen:
Hans Ulrich Obrist führt die „Power 100“ an. Wer jetzt die Schultern zuckt: Das Paradeexemplar des globalen Jetset-Kurators war kurz als Direktor für das Kunsthaus Bregenz im Gerede – aber die Nähe des Flughafen Friedrichshafen konnte ihn wohl nicht überzeugen. Es folgen Glenn Lowry, New Yorker MoMA-Chef, Tate-London-Direktor Nicholas Serota und Städelschulen-Direktor Daniel Birnbaum – vielleicht sollte sich die Kulturministerin die Liste auch herunterladen...
Wie aber würde so eine „Power Liste“ für Österreicher aussehen? Die Versuchung ist groß, eine Liste, hunderte Beleidigte... Also staunen Sie hier über das erste Austrian-Art-Power-Ranking, erstellt von einer unabhängigen Jury, bestehend aus einer anonymen Expertin:
Robert Fleck, Direktor Kunsthalle Bonn, ausgestattet mit unermesslichem Budget. Max Hollein, Direktor Städel/Schirn Frankfurt. Thaddaeus Ropac, Glamourgalerist Salzburg/Paris. Francesca Habsburg, angebetete Kunstproduzentin, ex aequo mit Peter Weibel (in „Cicero“ gerade als zweitwichtigster Kulturwissenschaftler gelistet). Die Essls, Sammler mit Sendungsauftrag. Agnes Husslein, bestens vernetzte Belvedere-Chefin. Klaus Albrecht Schröder, Albertina-General mit schier hypnotischer Mediensouveränität, Ursula Krinzinger, Galeristin mit beneidenswertem Vielfliegerbonus. Ingried Brugger ex aequo mit Peter Noever, ehrgeizige Direktoren mit heißem Draht zur obersten Bankerin. Und last, not least Erwin Wurm (populärer Künstler mit Schloss). Reklamationen für die „Austrian-Art-Power-Liste 2010“ bitte an:
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.10.2009)