Schnellauswahl

Romeo und Julia und das Opium: Eine Filmreise

Die Liebenden von Balutschistan
(c) Stadtkino
  • Drucken

Kritik „Die Liebenden von Balutschistan“ dokumentiert Houchang Allahyaris Reise durch das iranische Grenzgebiet.

Belutschistan ist eine gefährliche Gegend. Eine, in der man am Bazar lieber nicht mit der Kamera aus dem Auto aussteigt. Wo am Straßenrand Kinder Benzin in Flaschen verkaufen und Autofahrer in kleinen Zelten zum Opiumrauchen einkehren. Houchang Allahyari und sein Sohn Tom-Dariusch würden „sicher nicht“ Opium rauchen, sagen sie, während sie durch die staubige Landschaft fahren, aber so ein Zelt von innen zu sehen, das würde sie schon interessieren . . .

Als der Psychiater und Regisseur Houchang Allahyari nach 47 Jahren in Österreich mit seinem Sohn erstmals wieder in seine Heimat Iran reiste, entstand daraus der Film „Rote Rüben in Teheran“, der im Herbst ins Kino kam: Ein nostalgisches Werk, das den heutigen Iran aus der höchstpersönlichen Sicht der beiden zeigt. Aus ihrem Abstecher nach Belutschistan machten sie einen eigenen Film: In „Die Liebenden von Balutschistan“ (sic!), einer Art Doku-Roadmovie, fahren sie nun nicht mit dem Blick des sehnsüchtigen Wiederkehrers, sondern mit dem des ziellosen Entdeckers durch das Grenzgebiet zwischen dem Iran, Pakistan und Afghanistan.

 

Heimat der Dichter und Krokodile

Dieses gilt nicht nur als hartes Pflaster, geprägt von Armut und Schmuggel, sondern auch als Heimat der Dichter. Die tragische Liebesgeschichte von Hani und Murid, ein alter Mythos und sozusagen die belutschische Version von „Romeo und Julia“ wird Stück für Stück weitererzählt, dazwischen geht es vorbei an trockenen Flussbetten, schroffen Felsen, Krokodilen und Kamelen. Der Film versucht gar nicht, ein tiefer gehendes Porträt der belutschischen Gesellschaft zu entwerfen. Themen wie Religion, Wirtschaft und Familie werden in kurzen Gesprächen mit den Landsleuten angerissen, dann fahren die Allahyaris schon wieder weiter. Sie wollen die Gegend nicht erforschen, merkt man, sondern höchstens seine Atmosphäre aufsaugen. Um das Aufsaugen der Opiumdämpfe kümmerte sich übrigens ihr Fahrer an ihrer Stelle – immerhin könne man nicht nur „zum Schauen“ an den Zelten anhalten. Die Kamera musste aber draußen bleiben: zu gefährlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.01.2017)