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Weltkulturerbe: Unesco entscheidet über Botanischen Garten

Wenn die Hüter des Weltkulturerbes ihr OK geben, soll der Tiergarten Schönbrunn das Areal des Botanischen Gartens pachten dürfen.

Noch ist der Brief nach Paris nicht weg. Aber "demnächst", wie es aus dem Bundeskanzleramt heißt, will man ihn abschicken. Adressat ist die Unesco, mit Hauptsitz in der französischen Hauptstadt. Sie soll befinden, ob der Plan, den Botanischen Garten Schönbrunn an den Tiergarten zu verpachten, den Weltkulturerbe-Status von Schönbrunn gefährdet. Und damit entscheidet sie de facto über das gesamte Projekt.

Denn falls die Unesco ihr OK gibt, stehen die Zeichen auf Umsetzung. Das für Schloss Schönbrunn, den Schlosspark und den Zoo zuständige Wirtschaftsministerium hat nämlich bereits kundgetan, dass es das Projekt "insgesamt positiv" sieht. "Die vorsichtige Erneuerung würde den Tiergarten inklusive des Botanischen Gartens noch attraktiver machen", heißt es. Falls die Unesco allerdings Nein sagt, sei das Projekt gestorben, sagt Gerhard Kasbauer, kaufmännischer Leiter des Zoos.

Für Ruhe, Ziesel und Vögel

So oder so wird die Unesco also einen Streit beenden, der in Wien schon länger läuft. Zur Vorgeschichte: Der Tiergarten hat Platzbedarf und erweitert seit Jahren Stück um Stück. Allerdings ist der Raum knapp bemessen. Daher blickt man schon länger begehrlich auf den Botanischen Garten. Der ist bislang frei zugänglich und wird- wie das Schloss Schönbrunn und der Schlosspark - von der Schönbrunner Kultur- und Betriebsgesellschaft (SKB) verwaltet. Der Tiergarten will das Areal pachten und einerseits als Ruhezone, andererseits für Vögel und kleine Säuger (Ziesel etc.) nutzen. Neue fixe Gebäude sollen nicht errichtet werden. Das würde der Denkmalschutz auch gar nicht genehmigten sagt Kasbauer. Der auch betont, dass der Garten wie bisher von den Bundesgärten gepflegt werden soll.

Die Pläne des Zoos plus der Begründung, warum diese das Weltkulturerbe nicht antasten, sind Inhalt des Schreibens nach Paris. Das nicht das erste in dieser Causa ist. Denn im Mai des Vorjahres hat die "Österreichische Gesellschaft für historische Gärten" ebenfalls an die Unesco geschrieben. Inhalt waren ihre Bedenken gegen das Projekt.
Es war nicht die einzige Kritik.

ÖVP gegen ÖVP

Lageplan SchönbrunnPresse Grafik

Gegen die Pläne des Zoos gibt es heftigen Widerstand. Erstens von allen Bezirksparteien in Hietzing, die vor allem den Verlust des freien Zugangs zu dem Areal beklagen. Zweitens von den Bürgern selbst in Form einer Petition. Und drittens auch von Franz Sattlecker, Geschäftsführer der SKB. Er sagt aber nun: ""Wenn Paris es akzeptiert, ist das in Ordnung für uns. Unsere Meinung war nur, dass die Unesco das entscheiden muss." Denn, so der Nachsatz mit Anspielung auf den Heumarkt: Wie brauche nicht noch einen Weltkulturerbestreit. Ganz glücklich wäre Sattlecker mit einem Ja der Unesco aber dennoch nicht: Er hätte es lieber gesehen, wenn der Zoo und der Schlosspark in Richtung Fasangarten (hinter der Gloriette) erweitert werden. Dieser steht unter Naturschutz und ist bis jetzt nicht zugänglich. Ohne den Tiergarten als Verbündeten sieht Sattlecker weniger Chancen für eine Öffnung des Fasangartens. Von Seiten des Zoos hieß es von Anfang an, dass diese Variante keine Option sei.

Im Tiergarten wartet man jedenfalls gespannt auf die Antwort der Unesco "Bei einem Ja gehe ich davon aus, dass der Pachtvertrag unterschrieben wird und wir mit der Detailplanung beginnen können", sagt Kasbauer. Politisch ist das Projekt übrigens nicht unspannend: Während die ÖVP-Bezirksvorsteherin Silke Kobald heftig gegen die Pläne des Zoos opponiert, sollen diese insbesondere von Wolfgang Schüssel forciert werden. Der Ex-Kanzler und Ex-ÖVP-Obmann ist Aufsichtsratchef im Zoo.

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